Ein kurzer Gedanke zu Beginn
Vor etwa einem Monat hab ich im Buchausverkauf der Thalia für vielleicht 30.- Fr. eine handvoll Bücher gekauft. Eines darunter war Mitch Alboms „Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen“. Ich weiss noch, dass ich es in den Fingern drehte, zurücklegte und zur Kasse wollte. Dann drehte ich mich nochmals um und nahm es mit, mit dem Gedanken: So ein Buch kauf ich sonst nie zum vollen Preis. Scheiss drauf.
Bis ich es dann gelesen habe, ist eine Weile vergangen, aber ich wurde positiv überrascht.
Der Inhalt in eigenen Worten
Eddie ist 83. Er arbeitet seit seiner Rückkehr vom Einsatz bei Uncle Sam im Vergnügungspark Rubys Pier, wo schon sein Vater gearbeitet hat. Eddie hat schon immer andere Pläne mit seinem Leben gehabt, aber letztlich ist keiner davon Wirklichkeit geworden.
Eddie kümmert sich um die Fahrgeschäfte, wobei er täglich dafür sorgt, dass die Rollen gut geölt sind, die Bremsen funktionieren und die Personensicherungen halten. Er hat eine grosse Verantwortung und führt sie gewissenhaft aus.
Die Besucher, die ihn kennen, nennen ihn scherzhaft „Eddie Wartung“, wie es hinten auf seinem Overall steht. Eddie hat sich damit abgefunden.
Eines Tages gerät der Schlüsselbund eines jungen Mannes in „Freddy’s Free Fall“ und franst eines der Drahtseile aus. Die Kabine mit den Menschen gerät aus der Schiene. Eddies Kollegen Willie und Dominguez klettern hoch und retten die Insassen. Es gelingt, aber dann fällt die Kabine hinab und Eddie erblickt ein Mädchen dort, wo sie aufschlagen wird. Er ignoriert die Schmerzen in seinem Knie und eilt zu ihr, da wird er von der herunterfallenden Kabine erdrückt.
Eddie fühlt sich jung und frisch, und sein schlimmes Knie schmerzt nicht mehr. Er kann sogar seine Zehen berühren, ohne in die Knie zu gehen. Er hält ein. Was ist mit mir geschehen? Bin ich im Himmel? Verdiene ich es überhaupt, in den Himmel zu kommen? Was habe ich in meinem Leben schon bewirkt?
Es begrüsst ihn ein blauhäutiger Mann. Er erklärt, dass Eddie bald in den Himmel komme. Aber zuvor werde er fünf Menschen treffen.
„Weshalb?“, fragt Eddie. Der blaue Mann lächelt und sagt: „Um zu erfahren, dass dein Leben nicht so nutzlos gewesen ist, wie du denkst“.
Positiv-/Negativpunkte
- + Albom zeichnet das Bild eines vom Leben geschlagenen Menschen. Ich hatte Mitleid mit dem alten Eddie. Er wird als traurige Gestalt gezeichnet, wie es wohl Unmengen davon gibt
- + Albom hat eine interessante Vorstellung davon, was der Himmel – oder Vorhimmel? – ist und wie er ausschaut. + Mir gefällt seine Art, wie er mit dem alten Eddie beginnt und dann mit Flashbacks und Erzählungen sein ganzes Leben aufrollt; mit seinen Höhen und Tiefen.
- – Ich fand schade, dass nicht geklärt wird, was mit dem Mädchen „Annie oder Amy“ geschehen ist
- – Es bleibt unklar, was mit den Menschen geschieht, die die Begegnungen mit den fünf Menschen hinter sich haben. Kommen die dann in ihren persönlichen Himmel? Oder müssen sie auf die Menschen warten, denen sie im Leben wichtig waren oder geworden sind? Natürlich kann man argumentieren, dass das über unser Verständnis hinausgeht, aber mir wäre eine etwas klarere Vorstellung lieber gewesen. Beim Blauhäutigen wird zwar darauf hingewiesen, dass es seine zweite und Eddies erste Begegnung ist, aber so wie ich es aufgenommen habe, ist das der einzige Hinweis. Aber ich lasse mich gerne korrigieren
Fazit
Wie ich schon zu Beginn gesagt habe: ich wurde positiv überrascht. Albom konstruiert eine schöne Vorstellung vom Leben nach dem Tod, wie man sie selber gerne einmal erleben möchte. Leider ist er nicht ganz konsequent und ich wurde mit dem Gefühl „Und was jetzt?“ zurückgelassen. Andererseits begreife ich, wenn Albom nicht allzu stark ins Konkret-Religiöse abdriften möchte, damit die Geschichte nicht nur im Christentum, sondern auch in anderen Religionen vorstellbar wäre.
Auf alle Fälle ist es schön und eingängig geschrieben und dadurch sehr leicht und schnell lesbar.
Ein ideales Buch für Zwischendurch.
~ Dani Vega
Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen
Von Mitch Albom.
Aus dem Amerikanischen von Andrea Ott.
Erschienen beim Goldmann Verlag, 2004. 220 Seiten.
ISBN: 3-442-31010-5
