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[Rezi] Avatar. Aufbruch nach Pandora – James Cameron

Einige Worte zu Beginn

Filmposter zu „Avatar“

Filmposter zu „Avatar“

Eigentlich hatte ich vor, mich in meinem Blog auf Bücher und gelegentlich News zu beschränken, aber irgendwie lässt mir der Film Avatar, den ich letzten Freitag gesehen habe, keine Ruhe. Es gab einen Riesenhype um den Film, das ist mir bewusst, aber meines Erachtens ist der gerechtfertigt. Im Gegensatz zum laschen Twilight-Rummel, wo vor allem mit nackten Männeroberkörpern gepunktet wird, spielt Avatar einfach in einer komplett anderen Liga.
Nachdem ich das dritte Mal meine 3D-Brille hatte wechseln müssen und mich genervt hatte, dass das Bild immer noch relativ dunkel ist (und besser wäre es mit einer neuen Brille wohl nicht geworden), war es mit meinen Negativpunkten zu Ende.
Ich fragte mich zuallererst: Ähm … was ist jetzt hier geschauspielert und was animiert?. Klingt komisch, aber ich hatte eine Riesenmühe, den Unterschied auszumachen. Und wenn ich ehrlich bin: Ich weiss es jetzt noch nicht. Klar, die „Na’vi“, die blauhäutigen Bewohner des Planeten „Pandora“, sind computeranimiert, aber wenn es Close-Ups von ihren Gesichtern gibt – und die gibt es häufig –, dann musste ich mich echt anstrengen, wenn ich mich überzeugen wollte, dass sie nur in Camerons Kopf entstanden sind.
Erster Punkt.
Der zweite ist die unglaubliche Welt, die Cameron geschaffen hat. Was war das für ein unglaubliches Bild, als in der Nacht alle Pflanzen mit ihrem fluoreszierenden Licht den Wald erhellten. Oder die Na’vi, wie sie nicht nur eine mentale Nähe zu ihrer umgebenden Flora und Fauna pflegen, sondern tatsächlich eine physische. Wie das geht? Du wirst schon sehen, wenn du den Film schauen gehst ;)
Oh, und die Menschen von der Erde, die wegen irgendeinem wertvollen Metallvorkommen den Na’vi-Stamm von ihrem Heim (ein Baum von der Grösse eines Wolkenkratzers) vertreiben wollen. Wenn nötig mit Gewalt. Als ob die Amis nichts aus ihrer Vergangenheit mit den Indianern gelernt hätten.
Undundund. Ich möchte nicht alles vorweg nehmen.
 
Wie gerne würde ich in Pandora leben und Teil dieser Welt werden.

Ein Vorgeschmack auf den Inhalt

Die Menschen haben einige Jahre (oder Jahrzehnte) vor der Zeit, wo der Film spielt, den Planeten Pandora entdeckt. Wo er sich im Universum befindet, bleibt (zumindest für den Kinogänger) offen. Tatsache ist, dass sich die Menschen schon länger häuslich eingerichtet haben. Man erfährt, dass Anthropologen, Biologen, Geologen, Sprachwissenschaftler etc. sich schon eingehend mit dem Planeten und ihren Bewohnern auseinandergesetzt haben. Leider hat die Mehrheit der Kolonisten das Vorurteil, dass die Na’vi primitive Wilde sind, nicht überwinden können.
Anscheinend ist ein erstes Projekt, den Kontakt mit den Na’vi aufrecht zu erhalten und ihr Vertrauen zu gewinnen, gescheitert. Die Kolonie ist kurz davor, einen grossen Schlag gegen die Na’vi zu führen, wenn sich am Stand der Beziehungen nicht bald etwas ändert.
Jake Sully (Sam Worthington), ein querschnittgelähmter Ex-Marine, kommt nach Pandora, um die Stelle seines verstorbenen Zwillingsbruders anzunehmen. Sein Bruder war einer der Wissenschaftler, die am Avatar-Projekt („AVTR“) arbeiten.
Die Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, womit sie aus einer Mischung der DNS der Na’vi mit der eines Menschen leblose Na’vi-Körper heranzüchten. Mit neurologischer Technik ist es den Wissenschaftlern möglich, ihren menschlichen Geist dann in den geschaffenen Körper zu transferieren, während der menschliche Körper scheinbar schläft.
Das heisst: Ein Mensch kann sich im Körper eines Na’vi aufhalten, in seinem Avatar.
Wieso? Die Na’vi sind fast doppelt so gross wie die Menschen und sie können das Gasgemisch der Atmosphäre problemlos atmen, ohne nach vier Minuten zu sterben, wie es bei Menschen ohne Schutzmaske der Fall sein würde. Ausserdem war es nach Auffassung der Wissenschaftler so einfacher, den Kontakt zu den Na’vi aufrecht zu erhalten.
Allerdings empfanden viele Na’vi es als Affront, wenn ein Alien im Körper ihres Volkes auftaucht. Wie ein böser Dämon, der Besitz ergriffen hat (was so unwahr gar nicht ist).
Jake transferiert zusammen sich mit seiner Chefin, Dr. Grace Augustine (eine grossartige Sigourney Weaver), und anderen in ihre entsprechenden Avatare und hilft bei der Entnahme von biologischen Proben. Jake wird es langweilig und er schaut sich um. Es dauert nicht lange, da hat er ein wildes Tier im Nacken und muss sein Heil in wilder Flucht suchen. Es dauert nicht lange und er hat sich verlaufen.
Grace und ihre Leute suchen ihn vergebens. Und als es dämmert, fliegen sie zurück zur Basis. Nachteinsätze seien zu gefährlich.
In der Nacht kämpft Jake gegen weitere wilde Tiere und eine Na’vi, Neytiri, kommt ihm zu Hilfe (Zoë Saldaña) und rettet ihm das Leben. Nach anfänglichem Zögern nimmt sie ihn mit zu ihrem Stamm mit und lässt ihn übernachten. Die Na’vi mögen ihn nicht, aber Jake schafft es – mit Glück, und Zeit und Geduld – einen dünnen Draht zu ihnen aufzubauen und versucht diesen zu verstärken.
Parallel dazu versorgt er den militärischen Leiter, Colonel Quaritch (Stephen Lang), mit taktischen Informationen für einen möglichen Angriff, obwohl ihm die Rolle als Doppelagent immer mehr missfällt.
Die Weichen für dramatische Ereignisse sind gestellt.

Ein Fazit

Zugegeben, die Handlung ist teilweise etwas linear und vorhersehbar, aber das hat – zu meinem Erstaunen – die Qualität des Filmes nicht im Mindesten beeinträchtigt.
Es gibt einen Protagonisten, der aus einer unbequemen Lage nicht gescheit herauskommt. Es gibt eine Liebesgeschichte. Es gibt ein Wechselspiel von Abneigung und Akzeptanz. Und es gibt jede Menge dumme, vorurteilbehaftete US-Amerikaner, die wieder einmal das Gefühl haben, sie tun das Richtige, indem sie einer fremden Kultur ihre eigene aufzwingen.
Aber in diesem Film ging es nicht ums Was, sondern ums Wie. Und das Wie ist sensationell, bildgewaltig, voller Emotionen!
Meines Erachtens hat James Cameron einen Meilenstein in der CGI- und Face-Capture-Technik geschaffen und den Standard gesetzt für alle zukünftigen (Sci-Fi-)Blockbuster. Da aber Cameron offensichtlich an der Story gespart hat, ist hinsichtlich dessen noch viel Potenzial da, um seinen Film zu überflügeln.
Nicht zuletzt hat mich der Film auch deshalb in den Bann geschlagen, weil es darum geht, den eigenen Geist, die Seele in einen anderen Körper zu transformieren, und zu schauen, was geschieht. Genau worum es mir in meinem Roman auch geht.
Oh, und last but noch least: Nachdem ich die anfängliche Beklommenheit gegenüber den Na’vi überwunden hatte, muss ich zugegeben, dass Neytiri einfach grossartig ausschaut und ich Jakes Gefühle für sie völlig nachvollziehen kann.
 
Lange Rede, kurzer Sinn: James Cameron hat ein Meisterwerk geschaffen!
 
~ raVen Vega

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