Einige Worte vorweg
Christoph Hardebuschs Roman Die Trolle stand an zweiter Stelle für die Soleils Fantasy-Challenge und ist mein Beitrag zur Station 2 „Heroische Fantasy / Sword & Sorcery“.
Im Verlauf des Romans, als sich herausstellte, dass der Protagonist Şten nicht nur ein kleiner Rädelsführer ist, habe ich mich gefragt, ob das Buch wirklich in die Kategorie reinpasst … Aber andererseits ist Şten ein Vollblutkrieger und ein Angehöriger einer Minderheit, die sich gegen eine gewaltsame Tyrannenherrschaft auflehnt. Magie gibt es so gut wie gar nicht und Şten Mission mit den Trollen ist auch sehr untypisch.
Der Inhalt
Şten hätte sich für seine Dummheit ohrfeigen können. Aber leider war sein Käfig so eng, dass er nicht einmal mehr das konnte. Mitten im Wald hing er einige Meter über dem Boden, sein Rücken schmerzte wegen der unbequemen Sitzposition und alle Versuche, den Käfig gewaltsam zu öffnen, waren misslungen.
Er verfluchte Zorpads Spiessgesellen. Sie hatten zu gute Arbeit geleistet. Gerade als Şten überlegte, ob es angenehmer wäre zu verdursten oder von einem wilden Tier gefressen zu werden, hörte er dröhnende Schritte wie von einem Rudel Elefanten und tiefe, brummende Stimmen. Bis zum Verdursten würde es wohl nicht kommen.
Nochmals versuchte sich Şten zu befreien, aber es war zwecklos. Einen Augenblick glaubte er, dass die Monster an ihm vorüberzogen, aber es war nur sein Wunschdenken. Şten erschrak, als sich die vermeintlich wilden Tiere als Trolle zu erkennen gaben. Trolle? Hier? In seinem ganzen Leben hatte er noch keinen einzigen gesehen.
Grund, sich über die Entdeckung zu freuen, hatte er nicht. Sofort hatten ihn die Trolle entdeckt und der grösste unter ihnen wollte sich einen Spass daraus machen, Şten zu zerquetschen. Şten hörte sein letztes Stündlein schlagen, doch der Anführer gebot Einhalt. Sie seien auf der Suche nach Sonnenmagiern. An einen dünnen Strohhalm klammernd erklärte sich Şten bereit, sie auf ihrer Reise zu führen. Aber statt ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien, wie es sich Şten erhofft hatte, trugen ihn die Trolle einfach mitsamt seinem Käfig mit und machten sich auf den Weg.
Şten ächzte bei jedem Schritt vor Schmerzen und fragte sich, ob er nicht doch besser verdurstet wäre …
Fazit
Typische Antagonisten werden zu Protagonisten. Die riesigen, groben, stinkenden, hässlichen Trolle werden zu Figuren, die man trotz ihrer Ecken und Kanten lieben lernt. Denn hinter ihrem monströsen Äusseren sind sie empfindsame Wesen mit Gefühlen, Wünschen, Träumen, sind in gewisser Hinsicht sogar menschlicher als wir.
Ich hatte nicht allzu viel erwartet, weil eine Umkehrung der Perspektive Antagonist zu Protagonist schnell schief gehen kann. Christoph Hardebusch hat es aber erstaunlich gut gemacht. Ich habe die gut 750 Seiten sehr gerne gelesen. Ich bereue auch nicht, mir Teil zwei und drei zugelegt zu haben. Die werden sicher nicht lange Staub ansetzen, bis ich sie in die Finger nehme.
Kurzum: Die Trolle ist empfehlenswert.
~ Dani Vega
Die Trolle. Roman.
Von Christoph Hardebusch.
5. Auflage, beim Heyne-Verlag, 2007. 766 Seiten.
ISBN: 978-3-453-53237-3

2 Kommentare
Marc
27. August 2010 von 07:57 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hi Raven
Na, hab ichs dir nicht gesagt?
Gruss
Marc
Vega
27. August 2010 von 08:22 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hi Marc,
Doch hast du, aber trotzdem kann man nie wissen, ob sich die Geschmäcker unterscheiden
Gruss