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[FCh-Rezi] Die Drachen – Julia Conrad

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Cover zu „Die Drachen“

Ein paar Worte vorweg

Die Drachen von Julia Conrad habe ich mir für die erste Station von Soleils Fantasy-Challenge vorgenommen. Die Station ist High Fantasy, das heisst, epische Abenteuer, selbstlose, vom Schicksal ausersehene Helden, bedürftige Dörfler, schreckliche, abgrundtief böse Monster und sadistische, machthungrige Bösewichte. Der Unterschied zwischen High und Low Fantasy ist oft ziemlich fliessend, aber weil es in Drachen um eine Prophezeiung geht, welche das Schicksal der Welt betrifft, zähle ich es zu Ersterem.
 
Das Thema Drachen klang vielversprechend. Ich habe schon einige Roman gelesen, die von Drachen handelten. Oft ist werden die Drachen, z.B. in Stackpoles Düsterer Ruhm-Reihe, als erhabene, mustergültige und bewundernswerte Wesen dargestellt. Als Überwesen im Vergleich zu den Menschen. In anderen Büchern, zum Beispiel in Tolkiens der kleine Hobbit, wird der Drache Smaug als böser, eitler Schatzsammler dargestellt, der die umliegenden Dörfer terrorisiert.
 
Doch was auch immer es für eine Geschichte ist, Drachen sind meistens entweder übermässig gut und wohlgesinnt oder überaus aggressiv und verschlagen. Sie befinden sich an den Polen Gut oder Böse, aber niemals dazwischen. Sie sind nicht Teil einer Gemeinschaft, sondern darüber oder daneben. Die Drachen hatte deshalb den Reiz, weil der Roman die Drachen in den Alltag versetzt. Sie sind immer und überall anzutreffen. Und das war es, das mich bewegte, den Conrads Roman zu lesen.

Der Inhalt

Unter dem Dreigestirn der Drachengöttinen lebten die Menschen mit den Drachen von Land, Luft und Feuer einst friedlich nebeneinander. Doch Drydd vom Wasser, der von der Ehre der drei Schwestern nichts abbekam, war neidisch geworden. Zusammen mit seinem Sohn Zarzunabas, dem Heerführer über untote Geister und Kadaver, schmiedete er einen Plan, um die Herrschaft der drei Schwestern zu brechen.
 
Phuram der Sonnengott, ein niederer Drache im Vergleich zum Dreigestirn, fristete ein trübes Dasein unter den drei Schwestern. Seine Macht war nur gering. Ohne sein Mittwissen bezog ihn Drydd in die schrecklichen Machenschaften mit ein. Phuram beging Verrat. Zwar konnte er die Schwestern nicht töten, aber er zerstückelte und bannte sie mit drei mächtigen Schwertern, deren unheiliges Metall nicht von dieser Welt stammte.
 
Phurams Macht wuchs schlagartig und er genoss seine Herrschaft, während die Welt unter seinen unerbittlichen Strahlen litt und starb. Doch nicht alles lief nach Phurams Wunsch. Er wurde mit einem Fluch belegt. Eines Tages würde sich ein Schleier über sein Antlitz legen und dreizehn Auserwählten aus den Reihen der Menschen die Möglichkeit bieten, die Drachengöttinnen zu befreien.
 
Natürlich treffen die Anhänger Phurams alle erdenklichen Vorkehrungen, damit dieser Tag nie eintritt. Zarzunabas selbst bewacht die Ruhestätte der drei Schwestern. Ein fein gesponnenes Netz aus Magie verwehrt jedem Drachen den Eintritt. Nur die Menschen können es passieren. Doch da sind noch die untoten Scharen des Kadaverfürsten und Eisschichten mit der Dicke von Jahrtausenden, die ein Durchkommen verunmöglichen.
 
Wird die Welt je von der Herrschaft Phurams befreit werden? Oder wird es ihm letzten Endes gelingen, jeden Flecken der Erde mit seinem strahlenden Feuer zu verbrennen?

Ein Eindruck

Die Drachen setzt mit einem längeren Prolog in der Zeit ein, als Phuram noch ein Leibeigener der Drachengöttinen war. Conrad gibt sich dabei in der Beschreibung der Drachen und der Welt sehr weitschweifig, fast schon verschnörkelt. Auf jeden langen, verschachtelten Satz kommen gefühlte zehn Adjektive . Und die Sätze sind meistens lang und verschachtelt.
 
Ich war ein paar Mal kurz davor, einen Stift in die Finger zu nehmen und die unnötigen Adjektive rauszustreichen … Aber ich bin zu bibliophil, um einen Roman zu verunstalten.
Vielleicht bin ich aber auch nur etwas verwöhnt von Palahniuks Minimalismus und sehe überall die unnötigen Adjektive, wie die Lämpchen einer blinkenden Christbaumbeleuchtung..
 
Der Gedanke, den Roman nicht zu Ende gelesen wegzulegen, kam mir mehrmals, aber ich hielt eisern durch, um der Autorin Willen. Und der zweite Teil, eine Zeitspanne Jahrtausende nach Phurams Machtergreifung, las sich tatsächlich viel leichter. Noch immer verwirrten mich zwar die vielen Namen und die teilweise etwas oberflächlichen Figuren, aber wenigstens kam die Handlung nach und nach in Gang.
 
Viel Neues geschieht allerdings nicht. Es gibt einen aufopferungsvollen Helden, eine Auserwählte, die sich nicht in der Lage sieht, eine so grosse Verantwortung auf ihren schmalen Schultern zu tragen, und es gibt den bösen Erzschurken und seine ebenso gemeinen Handlanger. Das kenne ich alles schon.
 
Wobei … Vielleicht tue ich Conrad da etwas unrecht. Immerhin ist es ein Fantasy-Buch. High Fantasy. Es gibt zwangsläufig Elemente, die sich wiederholen. Daneben hat es aber durchaus gute (also spannende und interessante) Elemente, wie die Phuramgläubigen, die ihre Tempel mit Gold, der Farbe Phurams schmücken, und damit verbunden die ganze religiöse Hierarchie und Gesetzgebung. Ferner die Aufteilung in Tages- und Nachtmenschen und noch ein paar weitere Dinge.
 
ABER: diese Elemente sind für meinen Geschmack viel zu wenig ausgereizt worden. Man sieht durch die Andeutungen und Erwähnungen, dass sich Conrad in der Erschaffung ihrer Welt sehr viel Mühe gegeben hat, aber leider geht sie viel zu wenig darauf ein. Das heisst: nein, sie geht schon darauf ein, aber dermassen konzentriert und dicht, dass ich als Leser oft Mühe hatte, zu folgen. Lange Schachtelsätze überlas ich zeitweilig sogar.
 
Kurzum: Mir wäre es lieber gewesen, wenn der Roman nicht so dicht geschrieben wäre, stattdessen vielleicht auf zwei oder drei Bücher ausgeweitet. Das sollte möglich sein. Die Auserwählten hätten an ihrer Aufgabe mehr wachsen können, statt am Ende von einem Deus ex machina gerettet zu werden. Und dann wäre vielleicht auch das Ende nicht ganz so schnell und plötzlich.

Fazit

Vielleicht liegt es an mir, dass ich mir nicht (mehr) Romane gewohnt bin, die nicht mit schönmalerischen Beschreibungen geizen, aber etwas weniger wäre besser gewesen.
Nichtsdestotrotz ist der Roman ganz in Ordnung und behandelt wenigstens das Thema Drachen, so wie ich es mir erhoffte, ausgiebig. Meine Empfehlung lautet daher: „Wem’s gefällt“.
 
~ Dani Vega

Die Drachen. Roman.
Von Julia Conrad.
5. Auflage, erschienen beim Piper Verlag, 2009. 509 Seiten.
ISBN: 978-3-492-26617-8

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2 Kommentare

  1. AmySinann

    Ja das Buch war sehr mitreissend, auch wenn ich es, als ich es das erste ma las, kein bisschen aus dem inhalt verstand. Das lag allerdings daran das ich noch zu jung war (13) nach ein paar Jahren mit 16 versuchte ich es erneut. Und ich bereue es keines wegs ^^. Ich verstand alles und konnte mich selbst kaum dazu bewegen, schlafen zu gehen, da ich einfach nich aufhören wollte zu lesen.

  2. Vega

    Hi AmySinann,
    Erstmal: willkommen auf meinem Blog und danke für den Kommentar!

    Freut mich, dass dir das Buch gefallen hat.
    Ich finde halt nur, dass die Autorin es dem Leser teilweise etwas schwer macht.
    Es lag bestimmt nicht nur an deinem Alter, dass du nicht folgen konntest ;)

    Hast du die Fortsetzungen gelesen?

    Gruss Dani

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