Einige Worte vorweg
Gevatter Tod ist mein Beitrag zur Station Nr. 4 „humoristische Fantasy“ von Soleils Fantasy-Challenge und gleichzeitig mein erster Terry Pratchett-Roman.
Ich war sehr gespannt auf das Buch, da ich nur Gutes von den Scheibenwelt-Romanen gehört habe und Gevatter Tod soll eines der besten sein.
Der Inhalt
Mort ist ein eigenartiger Junge. Er denkt einfach zu viel, scheint zwei linke Hände zu haben und mehr Knie- und Ellenbogengelenke als jeder normale Mensch. Sein Vater ist verzweifelt. Mort sollte eine Lehre bei einem guten Meister absolvieren. Er hat das richtige Alter. Aber wer würde sich schon erbarmen, diesen Jungen aufzunehmen? Dennoch macht sich sein Vater mit ihm auf den Weg in die Stadt, um einen Lehrmeister zu finden.
Kurz bevor die beiden ohne Erfolg zurück nach Hause gehen wollen, nähert sich Mort ein schwarz gewandeter Reiter. Er führt eine Sense mit sich und als er über die Pflastersteine schreitet, klingt es wie wenn Stein auf Stein schlägt.
Der Vermummte ist an Mort interessiert und wie sich herausstellt, ist er niemand Geringeres als der Tod höchstpersönlich. DER Tod, der die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits begleitet. Er mag die rasche des Jungen und seine Fähigkeit Übernatürliches als solches zu akzeptieren, statt es zu ignorieren.
Mort erklärt sich einverstanden – was bleibt ihm für eine Wahl? – und zusammen reiten sie auf Tods Pferd Binky in die Nacht hinaus zu Tods Anwesen irgendwo im Nirgendwo, wo Mort das Handwerk des Sensenmanns erlernen soll.
Fazit
Ich bin nicht warm geworden mit Pratchetts Schreibstil. Konzeptuell hat er sehr viele und sehr gute Ideen umgesetzt, z.B. mit dem Licht, das auf der Scheibenwelt träge ist, oder eben, dass es eine Scheibenwelt ist, die sich auf dem Rücken von vier Elefanten befindet, die sich auf dem Panzer einer Schildkröte befinden. Auch der Tod als ein überarbeiteter Workaholic, der dringend Urlaub braucht ist eine lustige Idee und so weiter. Aber alles in allem empfand ich die Scherze zu oft nur als Schenkelklopfer, als erzwungene Witze.
Wenn wir den Auftritt eines Komikers nehmen, da gibt es das Phänomen, wie man spätestens nach der Hälfte des Programms so gut gelaunt ist, dass auch der blödeste Witz urkomisch ist. Kommt man aber nicht in Fahrt, sind die Scherze halt nur … mässig komisch, oder sogar ziemlich schlecht.
Und nicht zuletzt nervt es mit der Zeit, wenn der Tod immer mehr zu einer Witzfigur verkommt. Z.B. als er Angeln gehen möchte und Köder bastelt. Irgendwann war es einfach nicht mehr lustig, sondern nur noch doof.
Mein Urteil lautet deshalb: Gevatter Tod ist schnell gelesen, aber ist nicht so gut, wie ich erwartet hatte. Ich möchte mir kein abschliessendes Urteil über Pratchett bilden, aber das nächste Buch muss weitaus besser sein, damit ich irgendwann noch ein weiteres in die Finger nehme.
Wachen! Wachen! soll noch gut sein. Das werd ich mir als nächstes ansehen.
~ Dani Vega
Gevatter Tod. Ein Roman von der bizarren Scheibenwelt.
Von Terry Pratchett.
Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst.
4. Auflage, beim Piper Verlag, 2005. 330 Seiten.
ISBN: 978-3-492-28504-9

8 Kommentare
Jo
31. August 2010 von 14:14 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Lustig, Pratchett scheint wirklich Geschmackssache zu sein. Manche finden es überhaupt nicht witzig.
Andere sind gleich ab dem ersten Buch Feuer und Flamme (zu diesen jenen welchen zähle dann wohl ich).
Erzwungene Witze? Nein, eher die Natur des Menschen im Rahmen einer Fantasy-Welt wunderschön und gnadenlos durch den Kakao gezogen.
Die Szenen sind doch genial, als der Tod in Ankh-Morpork in der Küche arbeitet und der Wirt fragt, wie er das alles so schnell hin bekommt. Dummdreiste Erklärung seitens Tod, dass alles eine Frage der Zeit ist. Was will man mehr?
Nun gut, muss nicht jedem gefallen, wäre auf Dauer furchtbar langweilig.
LG
Jo
Vega
31. August 2010 von 15:45 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Ich sage nicht, dass Pratchett nicht witzig ist … ich bin einfach mit seinem Humor auf die Dauer nicht warm geworden. Er hat, wie du sagst, einige gute und wirklich witzige Ideen, aber … ich weiss auch nicht … Ich meine, ich bin ein Riesenfan von Douglas Adams’ HGttG und mir scheint, dass der Humor von den beiden gar nicht so verschieden ist. Aber ich weiss nicht, woran es liegt, bei HGttG kam es oft vor, dass ich laut loslachen musste, bei Gevatter Tod gab’s ab und zu ein verhaltenes Schmunzeln.
Naja, egal. Ich werde es mal mit Wachen! Wachen! versuchen und wenn mir das auch überhaupt nicht zusagt, bin ich wohl nicht für Pratchetts Humor geschaffen
Gruss Vega
Dimitri
8. September 2010 von 09:42 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
“Gevatter Tod” war auch das erste Buch, das ich von Pratchett glesen habe. Ich fand es ganz gut, aber damals war ich auch erst 17.
Heute kann ich (nicht ohne Stolz
) behaupten, dass ich absolut jedes seiner Bücher gelesen habe und die früheren Discworldromane, wie eben “Gevatter Tod”, gehören nicht mehr zu meinen Lieblingen.
Pratchetts Stil ist imho erst mit den Jahren wirklich gut geworden. Anfangs waren die Bücher einfach nur skuril, später wurden sie intelligent und skuril.
“Wachen! Wachen!” zähle ich noch nicht völlig zu letzterer Gruppe, aber es macht einen guten Anfang. Bin gespannt, was du darüber denkst.
Überhaupt sind die Discworldromane je nach Thema immer recht unterschiedlich. Mir gefallen z.B. die Bücher mit Rincewind-, Tod- und Hexenthemen nicht annähernd so gut wie diejenigen, die sich um die Wache oder die Entwicklung von Ankh-Morpork drehen.
Achja, und falls du ein wirklich verdammt gutes Buch von ihm lesen willst, dann nimm “Die Nachtwächter”. Imho das absolut beste, was er je geschrieben hat.
Vega
8. September 2010 von 09:54 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hi Dimitri, danke für deinen Kommentar.
Du hast ALLE gelesen? Respekt!
Ja, ich glaube, mit dem “skuril” triffst du meinen Eindruck nicht schlecht.
Ich nehme mir jedenfalls deinen Rat zu Herzen und setze “Nachtwächter” auf meine SuB-Liste.
~ Vega
Patrick
14. September 2010 von 16:33 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hi Vega
Ich muss sagen, dass ich Pratchett auch sehr gerne mag und damit wohl eher mit Jo oder Dimitri übereinstimme.
Und ich denke auch, dass es bei der Lektüre der “Nachtwache” hilft, wenn du “Wachen, Wachen!” gelesen hast. Dort werden nämlich die Hauptcharaktere eben dieser Wache vorgestellt und eingeführt.
Früher dachte ich auch, mir würden die Rincewindromane sehr gut gefallen. Tun sie schon noch, aber wie Dimitri geschrieben hat finde auch ich je länger desto mehr die anderen, die sich um Ankh-Morpork und verwandte Themen drehen immer sympathischer, differenzierter, pointierter, …
Gruss
Patrick
P.S. Bitte verzeih mir die Kleinigkeiten, die ich bei dir abgeguckt habe.
Ich erklärs dir gerne bei Gelegenheit.
Vega
14. September 2010 von 17:01 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hi Patrick,
Danke für deinen Kommentar.
Der Benutzername kommt mir doch irgendwie bekannt vor
An den Rincewindromanen bin ich jetzt dran, also am ersten. Der mit Rincewind und dem Touristen Zweiblum. So wie’s ausschaut, werd ich auch bei diesem nicht richtig warm, aber ich lese in jetzt mal zu Ende.
Wegen dem „Mini-Plagiat“: Das ist OK. Mit dem Impressum weiss ich halt einfach nicht, wie gut das juristisch durchhalten würde. Aber bisher hat sich niemand beschwert
Patrick
15. September 2010 von 09:30 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hi Vega
Wenn es juristisch wasserdicht sein soll, muss man wohl einen Juristen der sich mit sowas auskennt zu Rate ziehen. Ich denke jedoch, dass es bei einem Impressum um eine Art “Absichtserklärung”, und weniger um eine juristisch Hieb- und Stichfeste Versicherung.
Habe mir heute nochmal überlegt, was du zu Büchern von Douglas Adams gesagt hast. Schau dir mal “Die Letzten ihrer Art” an. Das ist kein “komisches” Werk, obschon man auch dort seinen Humor spürt. Fand ich zumindest.
Gruss Patrick
P.S. Ja, das mit dem “Usernamen” kann schon sein.
Vega
15. September 2010 von 23:00 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Ich habe mir jetzt “Wachen! Wachen!” vorgenommen. Das klingt schon ganz anders. Ich versuchs noch mit dem, dann bilde ich mir ein abschliessendes Urteil.
Wenn ich dann nach dem dritten Buch immer noch nicht von Pratchett überzeugt bin, kann mir niemand vorwerfen, ich habe es nicht versucht
Den Tipp mit dem Adams-Buch überlege ich mir mal. Allerdings hatte ich auch schon ein paar Male mit dem Gedanken gespielt, den HGttG nochmals anzugehen.
Es wird sich zeigen.
Gruss Vega