Einige Worte vorweg
Im Dezember 09 habe ich eine Rezi über Avatar geschrieben. Ich hatte den Film in den höchsten Tönen gelobt, weil ich von den Special Effects und der gebotenen Emotionalität überwältigt worden war. Ich hatte dem Film sechs von fünf Punkten gegeben und dabei nicht beachtet, wie simpel die Handlung war. Pocahontas im Weltall. Ich muss meine Wertung, die sowieso etwas voreilig war, revidieren, denn es gibt da draussen einen Film, der Avatar um Welten überflügelt.
Dieser Film ist Inception!
Der Inhalt
In nicht allzu ferner Zukunft wird ein Gerät entwickelt, das es ermöglicht, in die Traumwelt eines Menschen einzudringen. Shared Dreaming ist der englische Ausdruck, gemeinsames/geteiltes Träumen. Statt das Gehirn im Traum walten zu lassen in seinem Zirkel des gleichzeitigen Erschaffens einer Umgebung und der Wahrnehmung derselben, greifen die Eindringlinge in den Schaffensprozess ein und generieren ein Umfeld nach ihren Wünschen.
Das Opfer ahnt nichts von diesem Eingriff und seine mentalen Barrieren sind geschwächt. Die ideale Angriffsfläche um dem Opfer Informationen zu extrahieren, die es lieber für sich behalten würde. Kontodaten, Passwörter, Betriebsgeheimnisse, geheime Pläne, die Liste liesse sich endlos weiter führen.
Dom Cobb (Leonardo di Caprio) ist ein Extraktor. Nicht irgendeiner, sondern einer der besten überhaupt. Eine seiner gängigsten Methoden ist es, nicht in der regulären Traumwelt zu verweilen, sondern noch eine Ebene tiefer nach Informationen zu suchen. Dort ist die Abwehr des Opfers noch schwächer, aber die Extraktion erfordert mehr Fingerspitzengefühl.
Der Geschäftsmann Saito (Ken Watanabe) wird auf Cobb aufmerksam und bietet ihm einen gewagten Auftrag an: Es ist Gang und Gäbe Informationen aus den Gehirnen von wichtigen Personen zu extrahieren, aber wie verhält es sich mit dem Gegenteil, nämlich eine Information einzupflanzen, eine Inception?
Cobb ist nicht bereit, den Auftrag anzunehmen, bis ihm Saito anbietet, die Einreisesperre in sein Heimatland aufzuheben, wodurch Cobb endlich wieder seine beiden Kinder in die Arme schliessen, in ihre Gesichter sehen könnte.
Doch das Unterfangen ist keineswegs einfach. Es gab schon unzählige Versuche, eine Inception zu bewerkstelligen, aber alle endeten erfolglos. Alle bis auf eine einzige, wobei bei diesem Versuch das Ende ein fatales war. Aber Cobb sieht in Saitos Vorschlag die einzige Möglichkeit in sein Heimatland zurückzukehren, ohne lebenslänglich ins Gefängnis gesperrt zu werden. Er muss das Wagnis eingehen …
Ein Eindruck
Die Inhaltsangabe klingt kompliziert? Tatsache. Doch obwohl das Thema extrem verschachtelt und komplex ist, hat es Christopher Nolan, der Regisseur (bekannt geworden durch seine vorgängige Glanzleistung mit Batman – The Dark Knight), geschafft, es so zu vermitteln, dass man selbst als nicht sehr anspruchsvoller Kinogänger dem Verlauf der Handlung folgen kann.
Ich will nicht behaupten, dass man am Ende über alles Bescheid weiss, ganz im Gegenteil, aber man schafft es, mitzukommen und wird angeregt die Verschachtelung und Verzwirbelung der mehrschichtigen Handlung auseinander zu nehmen und zu diskutieren.
Und damit bin ich auch schon beim nächsten Positivpunkt. Dadurch, dass in Cobbs Team ein Neuling eingearbeitet werden muss, Ariadne (Ellen Page), versetzt man sich als Zuschauer in ihre Lage und hört gerne zu, wie sie über ihre Unwissenheit aufgeklärt werden muss, aber dennoch sehr rasch begreift.
Beeindruckend ist ferner das Timing der Schnitte. Durch die verschiedenen Erzählstränge kann man als Zuschauer sehr leicht den Überblick verlieren, aber immer wenn man kurz davor ist, den Faden zu verlieren, gibt es einen auflösenden Schwenk in eine andere Erzählebene, und schon hat man den Zusammenhang wieder.
Der Soundtrack ist grosse Klasse. Ganz zu Beginn fühlt man sich an Dark Knight erinnert, dann nehmen die Themen aber einen anderen Weg. Ich bin kein Musikkritiker, aber ich bin geneigt zu sagen, dass nicht nur die Handlung, sondern auch die Musik-Ebenen ähnlich verschachtelt sind. Hans Zimmer hat grossartige Arbeit geleistet.
Und nicht zuletzt ist die Möglichkeit faszinierend, wie sie Nolan präsentiert, gemeinsam mit anderen in die Traumwelt einzutauchen und sich über die Naturgesetze und andere reale Einschränkungen hinweg zu setzen. Allem möglichen Missbrauch einer solchen Technologie zum Trotz ist es faszinierend, sich vorzustellen, wie es wäre, wenn …
Fazit
Nach dem dritten Kinobesuch (eigentlich schon nach dem ersten) kann ich ohne Zögern die Exzellenz des Films propagieren und ihn jeder und jedem empfehlen, der sich entweder nach einer Abwechslung im langweiligen Kinoalltag sehnt, der sich einfach nur zurücklehnen und mit einer konzentrierter Ladung Denkstoff berieseln lassen möchte, der einfach unschlüssig war und nun neugierig geworden ist, oder wenn gleich alles zutrifft.
Ich wäre mir auch nicht zu schade, Inception noch ein viertes Mal zu schauen, nur um die Zuschauerquote mit meinem Kinoeintritt zu erhöhen, in der Hoffnung, dass ich dadurch Nolan unterstützen kann, eine weitere solche Perle von einem Film zu drehen.
Wenn du den Film also noch nicht gesehen hast, geh ihn schauen! Ich lege meine Hand ins Feuer, dass du nicht enttäuscht sein wirst. Und sonst hast du auf meinem Blog nichts verloren ![]()
~ Dani Vega


