
© Martin Sutovec (via cagle.com)
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Aus aktuellem Anlass möchte ich mich auf meinem Blog als WikiLeaks-Sympathisant outen. Ich hatte im Konzept meines Blogs zwar keine politische Orientierung vorgesehen, aber bei der Debatte, die momentan auf der Welt vorgeht (die übrigens unter keine Kuhhaut geht), ist es mir nicht mehr möglich die Augen zu verschliessen.
Deshalb habe ich das zum Anlass genommen, auf der rechten Seite meiner Navigation ein WikiLeaks-Banner einzurichten, das über taz.de bereitgestellt wird und (zumindest vorerst) jedermann und -frau den Zugang zum WikiLeaks-Portal eröffnet. An dieser Stelle ein grosses Lob an die taz für diese mutige Aktion.
Auf die Debatte gestossen bin ich über Twitter, die spätestens seit heute Mittag losgebrochen ist, als die Festnahme vom WikiLeaks-Urheber Julien Assange bekannt wurde.
Interessant ist – nebenbei bemerkt –, dass die Hashtags #assange, #wikileaks und alle anderen, die irgendwie damit zusammenhängen, einfach aus den weltweiten Trends gestrichen, und damit mundtot gemacht werden. Wenigstens werden die Tweets (oder gar die Accounts) nicht gelöscht, die solche Hashtags verwenden, sonst müsste ich mir eine andere social-media-Plattform suchen.
Ähnliches geschieht gerade auch auf der Homepage des TIME-Magazins, wo Assange gestern noch laut WikiLeaks-Twitteraccount (@wikileaks) die renommierte „Person of the Year“-Rangliste dieses Jahres anführte, aber mittlerweile laut Angaben verschiedener Twitterer (z.B. @Anon_Operation) rausgestrichen wurde. Ob das stimmt oder nicht, kann ich nicht mehr beurteilen, aber so wie ich es jetzt sehe, ist Assange laut TIME (@TIME) auf der Liste, und abgestimmt werden kann hier (ich brauch nicht zu erwähnen, dass sich ein Abstimmen lohnt
).
Aber damit nicht genug. Die Schweizer Tageszeitung Tagesanzeiger veröffentlicht einen Artikel nach dem anderen zum Thema Assange und Wikileaks die trotz meiner eher verhaltenen Einstellung gegenüber den Tageszeitungen doch überraschend lesenswert sind. Es lohnt sich auf alle Fälle ein-zwei Blicke hinein zu werfen.
Besonders interessant sind der Artikel über die Sperrung von Assanges Postfinance-Konto oder die Frage, was mit Assange nun geschehen könnte nach seiner Festnahme. Nett ist an dieser Stelle auch die Karikaturensammlung, die gestern aufgeschaltet wurde.
Was ist WikiLeaks überhaupt?

© Patrick Chappatte (via cagle.com)
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Wenn du dir jetzt die Frage stellst, was WikiLeaks überhaupt ist, dann rate ich dir als erstes, dir auf der Homepage (siehe Banner auf der rechten Seite der Page) selbst ein Bild zu machen. Der Wahlspruch das Twitteraccounts von WikiLeaks (@wikileaks) ist da auch sehr aussagekräftig: „We open governments“.
Ganz kurz: WikiLeaks pocht auf das Recht auf Informationsfreiheit. Regierungen bzw. Regierungszweige versuchen den Status Quo aufrecht zu erhalten und sind deswegen darin bestrebt nur diejenigen Informationen preiszugeben, die den Status Quo nicht beeinträchtigen, und die das Programm der federführenden Regierung bzw. Partei in ein gutes Licht rücken. Krieg um Öl ist schlecht, aber Krieg um Terror ist OK, schliesslich sind die anderen ja die Bösen; um hier ein ganz simples Beispiel zu nennen.
WikiLeaks will Transparenz. Was wir Normalmenschen von Staatsgeschäften, diplomatischen Verhandlungen, von Kriegen mitbekommen wird uns meist über einen engen medialen Kanal vermittelt, der von Staaten (so gut sie es eben vermögen) gesteuert wird. WikiLeaks möchte diesen Umweg über die Waschstrasse Politik umgehen und unbequeme Dokumente, die sonst in der Versenkung verschwinden würden, veröffentlichen.
Aber ich möchte nicht länger Erklärungsversuche ansetzen, wenn es jemand anders schon viel besser gemacht hat. Z.B. die „About“-Seite auf WikiLeaks (es bringt wohl nichts hier den Link zu posten, aber die findet ihr schon, über einen Klick aufs Banner rechts auf den Link in der Blogroll), oder aber dieser Clip von KenFm, der sehr schön die Missstände aufzeigt, Fehlüberlegungen aufgreift und diskutiert (via dejavu-Blog, Twitter: @CarFreiTag).
Ein paar abschliessende Worte

© Dave Granlund (via cagle.com)
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Das gute an WikiLeaks ist, dass es nicht alleine auf Julien Assange angewiesen ist. Spätestens seit dem 11. September 2001 wissen wir, dass globale, nationenübergreifende Organisationen (wovon welche teilweise auch Terrororganisationen genannt werden) nicht eingehen, wenn ihnen der sprichwörtliche Kopf der Schlange abgetrennt wird.
Peter Reuter (@Schreiber_Peter) twitterte (und bezog sich wohl auf diesen Artikel):
Spiegel: ‚Polizeigewahrsam in London, USA freuen sich über Assanges Festnahme.‘ Tja USA, bald liest man das Memo eures Botschafters dazu.
Der Blogger und Twitterer Moritz Adler (@moritzadler) brachte es sogar noch deutlicher auf den Punkt mit den Worten:
Wer denkt, dass Assanges Festnahme Wikileaks stoppt, denkt auch, dass Bin Ladens Festnahme Al Kaida stoppt. It’s the concept, stupid!
Es ist das Konzept, das weiter besteht. Wenn Julien Assange nun unter fadenscheinigen Anschuldigungen verurteilt, ausgeliefert oder sogar in ein Land abgeschoben werden würde, wo die Todesstrafe noch aktiv ist, würden deswegen die WikiLeaks-Betreiber nicht aufgeben. Womöglich sogar ganz im Gegenteil.
Ein Indiz dafür ist die Meldung von @wikileaks gestern:
WikiLeaks now hosted at 507 locations, planet wide http://wikileaks.ch/mirrors.html
Auf der angegeben Seite in obigem Tweet findet sich ferner eine Anleitung, wie man selbst einen Mirror für die Leute von WikiLeaks stellen kann, um die Zahl der Orte noch zu vergrössern; was zweifelsohne geschehen wird.
WikiLeaks hat etwas angerissen, das nicht mehr aufgehalten werden kann. Ich bin gespannt auf die kommenden Entwicklungen in der nahen Zukunft.
~ Dani Vega
Update: Gerade ein neuer interessanter Artikel zum Thema auf tages-anzeiger.ch aufgetaucht, der meinen Gedanken mit der Schlange aufgreift.
Update (22:34h): Gerade über Twitter (@Gernot) auf einen Audio-Kommentar zu WikiLeaks gestossen. Gesprochen von @philipbanse. Unbedingt anhören!
Update (1.1.2011): Der WikiLeaks-Link ist neu nicht mehr ganz oben im Blog zu finden, sondern in meiner Blogroll.
2 Kommentare
Jo
9. Dezember 2010 von 19:55 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Ich glaube, momentan machen sich viele Leute Gedanken zu diesen Ereignissen. Die Sachen kochen doch sehr hoch. Auch ich hab zu diesem Thema einen kleinen Post in meinem Blog gemacht.
Man kann wirklich gespannt sein, in welche Richtung die Entwicklung gehen wird. Heute hat Paypal das Konto wieder freigegeben, bzw. die Gelder. Erstaunliche Dinge, die sich momentan tun…
Vega
9. Dezember 2010 von 21:22 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hi Jo,
Ja, habe deinen Artikel gesehen. Dein Satz mit der Zensur gefällt mir sehr:
“Zensur ist keine Kontrolle, sondern das ‘Mund verbieten’ auf anderer Ebene. Initiiert von ausgewählten Personen und per Gesetz legalisiert”
Spricht mir aus dem Herzen.
Besonders deutlich ist mir bei dieser Sache klar geworden, dass ein Staat eigentlich nur ein Konstrukt ist, das mit allen Mitteln versucht, bestehen zu bleiben, und die Tatsache ausblendet, dass es ihn nicht schon immer gab. Und vor allem, dass es ohne ihn nicht geht und man ab und zu mal ein oder zwei Augen zudrücken soll, wenn er was Dummes angestellt hat.
Klar, ich wusst es irgendwie schon vorher, aber es war mir ziemlich gleichgültig. Jetzt nicht mehr.
Ich bin gespannt.
Mal sehen, ob sich in nächster Zeit mal irgendein Wirtschaftsgigant FÜR Wikileaks ausspricht, und sich damit GEGEN die US- und andere Regierungen positioniert. Brasiliens Präsident soll sich schon DAFÜR ausgesprochen haben, aber ich warte auf eine grosse Bank oder einen Computer-/Internetriesen wie Apple, Microsoft, Google, oder auch Facebook. DAS wäre eine Ohrfeige.
Gruss Dani