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[SFC] Rezis von Gästen

Auf dieser Seite befinden sich die Rezensionen derjenigen Teilnehmer der raVenport Science-Fiction Challenge, die uns ihre Rezis zuschicken, weil sie keinen eigenen Webauftritt besitzen.
 
Die Rezis sind alphabetisch nach Teilnehmer, dann nach Stationen geordnet. Für eine bessere Übersicht empfehle ich die Rezi-Übersicht.
 
~ Dani Vega



Rezis von Jasmin

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1 – Reise zum Mittelpunkt der Erde – Jules Verne

11.06.2011

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Cover zu „Reise zum
Mittelpunkt der Erde“

Inhalt

Dem Hamburger Professor Otto Lindenbrock gelangt durch Zufall an ein bisher unbekanntes Manuskript des Forschers und Weltreisenden Arne Sarknussemm. Darin dokumentiere dieser, im 16. Jahrhundert eine Reise zum innersten Punkt der Erde unternommen zu haben.
Lindenbrock, nicht gefeilt der Verlockung Arne Sarknussemms zu widerstehen, macht sich zusammen mit seinem Neffen Axel nach Island auf. Dort soll im Krater des Vulkans Sneffels der Eingang zum Erdinneren liegen.
Auf Island erhält das Expeditionsduo um Lindenbrock einen weiteren Reisegefährten. Der bärenstarke und naturerprobte Hans Bjelke begleitet die Gruppe gegen wöchentlichen Sold und rettet ihnen schon nach kurzer Zeit das Leben, nicht zum letzten Mal auf ihrer Reise.
Auf den Spuren von Sarknussemm, kann Lindenbrock nichts aufhalten und sein Wille, zum Mittelpunkt der Erde zu gelangen ist ungebremst. Sie verdursten beinahe, verlieren die Orientierung und ihre Instrumente, bis sie an einen Ozean tief unter der Oberfläche der Erde gelangen. Von da aus geht ihre Reise weiter, in ein unterirdisches Reich das von der Zeit vergessen wurde…

Eindruck

Der Weg ist das Ziel und die charakterlich total unterschiedlichen Figuren machen die Geschichte abwechslungsreich und die Handlung interessant. Einige naturwissenschaftliche Grundkurse des Autors lässt die Geschichte wie eine spannende Lesereise wirken.

Fazit

Man merkt beim Lesen sehr gut, dass in früheren Zeiten (19. Jahrhundert) kein Wert auf sehr schnelle Handlungen gelegt wurde. Man hatte Zeit zum Lesen und die Geschichte durfte ruhig sehr umfangreich sein. So ist das Buch mit 400 Seiten sehr ausführlich, könnte in einigen Passagen für interessierte Leser aber noch ein bisschen detaillierter sein, da man die Geschichte eigentlich mitlebt und sich wie eine vierte Person der Reisegruppe fühlt.

Gesamteindruck

Das Buch mit sämtlichen Illustrationen der Französischen Originalausgabe und Legende der Fremd- und Wissenschaftsbegriffen sollte jeder einmal gelesen haben. Sozusagen eine Lesereise mit Lexikon.
 
9 / 10 Punkte.
 
~ Jasmin

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde
von Jules Verne
ISBN: 978-3-423-13575-7

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2 – Oryx und Crake – Margaret Atwood

02.09.2011

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Cover zu „Oryx und Crake“

Inhalt

In einer fernen (oder doch nicht so fernen) Zukunft lebte Jimmy. Er war Werbefachmann und arbeitete für einen biogenetisch-pharmazeutischen Konzern in „Paradice“. Paradice war eines von der Umwelt abgeschirmten Elite-Labors, wo Mitarbeiter und deren Familien unter privilegierten Bedingungen lebten. Das war jedoch nichts Neues für Jimmy, denn schon als er klein war, wohnte er zusammen mit seinen Eltern im Health-Wyzer Komplex, wo sein Vater bei der Züchtung von Organschweinen für menschliche Ersatzorgane mitforschte. Ausserhalb dieser Komplexe waren die Provinzen. Dort zu wohnen mieden die Komplex-Leute, weil dieses Gebiet von Seuchen geplagt oder aufgrund der komplett geschmolzenen Polkappen überschwemmt war.. Zu gross war die Angst vor Krankheiten.
Dies war vor der grossen Seuchen – Katastrophe.
Nach der Katastrophe lebt Jimmy (nun Schneemensch genannt) bei den Crakern, Crakes Kindern welche eine neu gezüchtete Art Homo Sapiens sind, die gegen alle herrschenden Seuchen und Krankheiten immun sind und sich ausschliesslich von Pflanzen ernähren. Schneemensch ist jedoch auf Essen aller Art angewiesen, dieses ist aber immer weniger vorhanden. Auf seinem Baum im Schatten lebend, wird für ihn das Leben immer mehr zum Überleben.

Eindruck

Margaret Atwood gestaltet die Charaktere real und mit viel Sozialem Hintergrund. Jede Geschichte zu jeder Person wirkt glaubhaft und erleichtert es dem Leser die Welt, die rund um ihn aufgebaut wird, zu verstehen.

Fazit

Es ist nicht irgendeine Geschichte der Zukunft. Es ist könnte irgendwann einmal unsere Zukunft sein.
 
10 / 10 Punkten, weil dieses Buch jedem zu empfehlen ist.
 
~ Jasmin

Oryx und Crake
von Margaret Atwood
ISBN: 978-3-833-30139-1

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5 – Die seltene Gabe – Andreas Eschbach

12.09.2011

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Cover zu „Die seltene Gabe“

Inhalt

Als Armand klar wurde, dass man seine Telekinetischen Fähigkeiten zu militärischen Zwecken einsetzen will, ihn sozusagen zu einer menschlichen Waffe gegen andere Nationen einsetzen möchte, flüchtet er aus dem Forschungslabor, in dem er sein halbes Leben in purem Luxus gewohnt hatte.
Auf seiner Flucht bricht er in Häuser ein, klaut sich das Nötigste zusammen und versucht sich von den Truppen zu verstecken die nun hinter ihm her sind. Als Marie ihn eines Tages in ihrem Haus im Wandschrank findet, muss sie sich gegen ihren Willen seiner Flucht anschliessen. Anfangs will sie auch eigentlich ganz schnell wieder nach Hause zurück, doch die Zeit, die sie zusammen mit Armand verbringt gefällt ihr immer wie besser und sie beginnt Armand zu mögen.

Eindruck

Andreas Eschbach versucht das andere Geschlecht so gut wie möglich zu beschreiben, scheitert jedoch grausam daran. Marie wirkt im Buch stumpf, unrealistisch und viel zu hart für eine 17 jährige. Auf der Flucht von Marie und Armand geschehen dann sehr viele Dinge nacheinander, so dass man schlichtweg überladen wird von Ereignissen, die man aber eigentlich seit der ersten Seite vorausahnt. Der Autor hat ein sehr schnelles Tempo beim Erzählen der Geschichte. Ungeahnt ist jedoch das Ende, welches das ganze Buch und somit auch die ganze Geschichte in eine total andere Richtung dreht. Leider ist es auch ein wenig voreilig und man könnte meinen dem Autor sei das Papier ausgegangen.

Fazit

Man vermisst sehr viele Informationen in der Geschichte und das Hauptthema, den militärischen Missbrauch von übersinnlichen Fähigkeiten, wird durch unnötige Dialoge und Kleinigkeiten versäumt. Das Ende rettet aber einen ganzen Teil davon.
 
4 / 10 Punkten
 
~ Jasmin

Die seltene Gabe.
von Andreas Eschbach
ISBN: 978-3-404-24348-8

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6 – Per Anhalter durch die Galaxis – Douglas Adams

12.09.2011

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Cover zu „Per Anhalter durch die Galaxis“

Inhalt

Als Arthur Dent vor seinem Haus von Bulldozern aus dem Schlaf gerissen wird, versteht er die Welt nicht mehr. Sein Haus soll für eine neue Umgehungsstrasse Platz schaffen. Doch bevor er sich etwas dagegen überlegen kann, geschieht noch etwas viel Schlimmeres: Die Erde wird in die Luft gesprengt, weil eine Hyperraum-Expressroute gebaut wird und man Platz benötigt.
Sein Freund Ford rettet ihn jedoch gerade noch rechtzeitig und nimmt ihn mit. Sie hatten ein Raumschiff gestoppt und fuhren nun als Anhalter mit. Hier erfährt Arthur Dent auch, dass Ford schon einige Zeit als Anhalter auf dem Weg durchs Universum ist, um den Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ zu überarbeiten. Mit seinem „elektronischen Daumen“ springt er jeweils auf die Raumschiffe auf. So retten sie auch die „Herz aus Gold“ als sie von den Vogonen durch eine Schleuse ins All katapultiert wurden. Hier treffen sie Trillian und Zaphod, der zwei Köpfe und drei Arme hat und noch zufällig der Halbcousin von Ford Prefect ist.

Eindruck

Die Reise führt sie weiter in verschiedene Orbits und sie müssen sich aus verschiedenen brenzligen Situationen herausretten. Speziell gut ist Douglas Adams „Marvin“ gelungen. Den depressiven Androiden, der eigentlich andauernd schlecht gelaunt ist und andere mit seiner zickigen Langeweile in den Wahnsinn treibt.
Und für alle Kanadier, Engländer und Versteher der Englischen Kultur: Ihr lacht ab etwa 3-mal so vielen Witzen wie alle übrigen Personen. Das Buch ist aber auch voll von ironischen Bemerkungen, die nicht sehr schwer zu verstehen sind.

Fazit

Die ersten drei Bände („Per Anhalter durch die Galaxis“, „Das Restaurant am Ende des Universums“, „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“) sind fabelhaft geschrieben, mit tollen Ideen, Beschreibungen und Figuren und man hat sie in Nullkommanichts gelesen, da sie extrem kurzweilig sind. Band 4 („Macht’s gut und danke für den Fisch“) und 5 („Einmal Rupert und zurück“) wirken dann, als wäre die Luft raus, die Ideen verbraucht und die Geschichte eigentlich schon lange abgeschlossen.
 
6 / 10 Punkten (Weil die zwei letzten Bände einfach unterirdisch sind.)
 
~ Jasmin

Per Anhalter durch die Galaxis.
von Douglas Adams
ISBN: 978-3-453-40784-8
(Bde. 2-5: ISBN: 978-3-453-40781-7,
978-3-453-40780-0,
978-3-453-40783-1,
978-3-453-40782-4)

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8 – Das Buch der Zukunft – Andreas Eschbach

02.09.2011

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Cover zu „Das Buch der Zukunft“

Inhalt

Für alle die den nächsten Weltuntergangstermin schon fett in ihrem Kalender eingetragen haben: Den könnt ihr löschen.
Das Buch thematisiert die denkbaren Probleme der Zukunft auf sehr unterhaltsame und spassige Weise. Der Autor nutzt die bisherigen Prophezeiungen und Annahmen der Zukunft, um mit interessanten Antworten aus seiner Sicht, Lösungsansätze wiederzugeben. Dieses Buch ist daher ein „nice to know“-Guide unserer Zukunft.
Klimaerwärmung und das Schmelzen der Polkappen, Überbevölkerung, Ende des Öls, Fusionsenergie, Energieversorgung, Nanotechnologie und die Reise ins Weltall sind alles Dinge, vor denen wir, laut Buch, eigentlich gar keine Angst zu haben brauchen.

Eindruck

Schade ist, dass die Antworten im Buch nicht auf Wissenschaftlicher Basis aufgebaut sind, sondern nach dem Empfinden des Autors beschrieben wurden.

Gesamteindruck

Ein sehr unterhaltsamer und amüsanter Blick in die Zukunft, der zum Nachdenken anregt.
 
8 / 10 Punkten
 
~ Jasmin

Das Buch der Zukunft.
von Andreas Eschbach
ISBN: 978-3-499-62357-8

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Rezis von Knochenmann

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4 – Biokrieg – Paolo Baciagalupi

01.06.2011

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Cover zu „Biokrieg“

Der Inhalt

Ort der Handlung: Das Königreich Thailand im 22. Jahrhundert. Die Erde hat sich ein Stück weiter gedreht, und das Zeitalter des Überfluß ist vorbei. Die Expansion mit ihrer reichlich verfügbaren freien Energie aus Uran und Erdöl ist vorbei, die Welt im 22. Jahrhundert befindet sich im Zeitalter der Kompression, wo alles knapper ist, alles dreht sich nur um eins dreht: Kalorien.
 
Denn wer die Kalorien kontrolliert, der kontrolliert die Welt, und diese Stellung haben sogenannte Kalorienkonzerne inne. Kalorienkonzerne, das sind die gewaltige Agrarunternehmen deren Produkte en Grosteil der Weltbevölkerung ernähren, und die an die Stelle der bisherigen Nationalstaaten getreten sind.
 
Allein das Königreich Thailand widersetzt sich dem allgemeinen Trend, und versucht seinen eigenen Weg zu gehen, was allerdings alles andere als einfach ist: Hungersnöte, Flüchtlingsströme und verheerende Seuchen, die alles Leben vernichten dessen Gene nicht patentiert wurden sind die bestimmenden Kräfte im 22. Jahrhundert.
 
Vor dieser Kulisse treten nun 4 Protagonisten auf, die ihrer Bahnen durch Bangkok ziehen, die „Stadt der Engel“ die nur durch einen gewaltigen Damm vom fortwährend steigenden Ozean beschützt wird: Anderson, der „Kalorienmann“, ein Agent der Konzerne der für seine Firma in Thailand Fuß fassen will und sich zudem für den neuen Artenreichtum interessiert den es auf einmal in Thailand gibt. Denn nur hier wachen wieder Chilis, Kartoffel und Tomaten, überall sonst auf der Welt wurden die Nachtschattengewächse von den Seuchen ausgetrottet.
 
Zur Tarnung betreibt Anderson eine Fabrik, in der Speicherfedern hergestellt werden – die wichtigsten Energieträger ihrer Zeit. Sein Geschäftsführer ist ein Hock Seng, ein chinesischer Geschäftsmann, der nur knapp einem Genozid in Malaysia entkommen ist, und der eigene Pläne mit der Fabrik hat.
 
Aus von Jaidee, dem „Tigers von Bangkok“, eines Hauptmanns der sogenannten Weishemden bekommt man von einem weitern Standpunkt aus Einblick in das Land, und in die Prozesse, die es bewegen. Die Weishemden sind die Einsatztruppe des Umweltministeriums, und die treibende politische Kraft im Lande. Ihre Aufgabe ist recht simpel: alles niederbrennen, was die Ursache einer neuen biologischen Katastrophe sein könnte.
 
Und dann wäre da noch das – im englischen Original – namengebende Aufziehmädchen Eniko, ein in Labor gezüchtetes Sexspielzeug eines japanischen Geschäftsmannes, das in Bangkok zurückgelassen wurde einfach weil die Rückflugkarte nach Tokio zu teuer gewesen wäre. Eniko fristet ihre Leben in einem thailändischen Bordell, und träumt von einem Dorf im Norden Thailands, wo es angeblich Aufziehmenschen gibt die ohne Herren leben…

Ein Eindruck

Das Buch besticht auf allen Ebenen. Zum einen hat man großartige Figuren und Ideen, auf der anderen Seite ein Szenario das sehr exotisch ist aber auf der anderen Seite aber auch nicht zu unvorstellbar bleibt.
 
Von vielen Dingen die mich beeindruckt haben möchte ich eins allerdings besonders hervorheben, und zwar den Buddhismus, der in dem Buch eine nicht geringe Rolle spielt:
 
Menschen diskutieren darüber, ob gentechnische Konstrukte überhaupt eine Seele haben, die in den Zyklus der ewigen Wiedergeburt eingebunden ist. Außerdem wird befürchtet, das viele Verstorbene als Geister durch Bangkok wandeln, weil durch die vielen Seuchen so viele Menschen gestorben sind das es nicht mehr genügend Körper gibt um eine Wiedergeburt zu gewährleisten. Und die Tatsache, das alle Biobäume aussterben werden, läßt in manschen die Überzeugung wachsen: Buddha hatte recht, beständig ist nur der Wandel, und womöglich kann nicht einmal der Buddhismus selbst dem Wandel widerstehen.
 
Das hat mir extrem gut gefallen – man hatte nicht das Gefühl ein Endzeitszenario vor sich zu haben, sondern eine Geschichte über eine Welt zu lesen, die selber schon Geschichte hat. Das die Situation vielleicht schlimmer ist als man sich das wirklich vorstellen kann, aber das alles ist eben nicht das Ende der Welt.

Fazit

Das Buch hat jetzt schon das Zeug zum Klassiker. Da ist alles drinnen was man sich als Leser nur wünschen kann.
Ich kann das Buch eigentlich nur vorbehaltlos empfehlen, aber: weil sich der Handlungsbogen eher langsam entfalte ist das Buch nichts für ungeduldige Leser.
Das Einzige was mich persönlich ein wenig stört ist die deutsche Aufmachung – „Biokrieg“, dazu ein Gesicht mit Stichcover als Buchtitel. Es stimmt schon, das was da im Buch vor sich geht ist zwar ein Krieg – aber eben auch noch soviel mehr. Der geneigte Leser möge sich das englische Cover ansehen: Elefanten und Mönche die durch ein von Ranken überwuchertes Bangkok wandern – darüber Zeppeline. Ein Bild sagt eben doch mehr als 1000 Worte.

Gesamteindruck

Das Buch hat bereits einen Hugo und einen Nebula gewonnen – wer bin ich das ich da weniger Punkte gebe als die Maximalwertung?
10 von 10 reinkarnierte Katzen mit Chamäleon Genen
 
~ Knochenmann

Biokrieg
von Paolo Baciagalupi
ISBN: 978-3-453-52757-7

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Rezis von Luna

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2 – Kompression – To Ubukata

01.06.2011

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Cover zu „Kompression“
via amazon

Inhalt

Es ist wirklich schwer einen längeren Inhalt wieder zu geben ohne spannende Details preis zu geben. (Ich versuch es aber trotzdem :) ).
„Kompression“ ist nur der erste von drei Teilen der Geschichte („Expansion“, „Implosion“ sind die anderen zwei).
Mardock City. Eine Metropolen Stadt in einer Zukunft voller hypermodernen Technology, die am Tag ein wahrer Traum für jeden ist, doch in der Nacht sein wahres Gesicht zeigt. Die Stadt wird von Gangstern und Kleinkriminellen in Angst versetzt, doch die echten bösen Jungs sind die Leute von Yakuza. Es sind die Gefährlichsten und am meisten Gefürchtetsten. Jeder weiß, dass sie Menschen töten, mit Drogen handeln und für vieles mehr verantwortlich sind, trotzdem sind sie unantastbar. Der Grund? Information. Daten zu verstecken ist das Kunststück, welches sie beherrschen. Sie machen sich natürlich die Technologie zu Nutzen aber auf eine besondere Art und Weise.
 
Balot ist ein Waisenmädchen in dieser riesen Metropole und ist bloß eines von den Tausenden. Sie war außergewöhnlich schön und deshalb auch beliebt bei ihrer Kundschaft. Balot und die Anderen sind nämlich „Puppen“ der reichen Männer. Sie sind bloß Dekorationen, schöne Begleiterinnen und Sexspielzeuge. Balot hat im Laufe der Zeit eine Fähigkeit entwickelt sich mental/ geistig ihrem Körper zu entfremden. Diese Fähigkeit war der Grund, warum sie mit den unzähligen Männern schlafen konnte. Sie sah sich manchmal selbst, als schwebe ihr Geist über ihr und manchmal war sie einfach weit fort, von dem was gerade mit ihr geschah.
Doch in letzter Zeit verschwanden einige Mädchen, die Balot persönlich kannte, nachdem sie die „Puppen“ einer bestimmten Männergruppe waren. Und als sie die Begleiterin eines dieser Männer wurde, verstoß sie gegen die wichtigste Regel: NIEMALS nach Informationen suchen!
 
Doktor war ein leidenschaftlicher Wissenschaftler. Er kreierte ein Gerät, welches schlicht und einfach perfekt war. Es war ein hoch technologischer Formwandler mit der Intelligenz eines logisch denkenden Menschen. Œufcoque, nannte Doc ihn (ein halbgares Ei), denn dieses Gerät empfand auch Emotionen und Sorge war seine höchste. Doc war nicht nur Wissenschaftler, er war auch hinter der Yakuza her.
Er beobachtete eines Nachts ein Aircar, in dem sich ein Mann (vermutlich einer der Yakuza’s Männer) und eine sehr hübsche Frau befanden. Als Balot und der Mann mit dem sexuellem Akt fertig waren, ließ der Mann sie im Aircar zurück. Doc erkannte, dass sie gleich streben sollte. Er rettete ihr das Leben, denn sie war zum Tode verurteilt. Balot war halb verbrannt, dem Tod näher als lieb, als Doc sie durch eine neuartige Technologie „fragte“ ob sie leben oder sterben wollte.
 
Balot entschied sich fürs Leben und Doc verpasste ihr eine neue Haut mit einem kleinen Nebeneffekt. Sie entwickelte Fähigkeiten, die ihr und Doc, halfen die Yakuza zu jagen …

Eindruck

Ich war fasziniert und auch ein bisschen beeindruckt über die Kunst des Autors die technischen Details so realistisch und vor allem glaubwürdig darzustellen. Auch wenn man in dem Wissen liest, dass solche Dinge nicht möglich sind, beginnt man dieses Wissen am Ende des Buches in Frage zu stellen.
Die Charaktere fand ich auch sehr gut. Balot’s Entwicklung in der Geschichte war nicht wirklich überraschend, jedoch vollkommen nachvollziehbar und dies machte es einfach sich in ihre Rolle hinein zu versetzen. Die meistens neutrale, aber was Balot anging, eine, man könnte schon fast sagen, mütterliche Figur darstellte war Œufcoque. „Er“ half ihr mit allem zurecht zu kommen und man vergaß nach einigen Seiten, dass Œufcoque kein Lebewesen, sondern eigentlich eine Maschine war. Ich fand die Idee von Ubukata brillant. Diese kleine, meist unauffällige Figur brachte die neue Welt des High-Tech Schritt für Schritt immer näher, so dass man irgendwann kein Zuschauer, sondern ein Mitspieler der Geschichte war.
Eines jedoch fand ich etwas klischeehaft: Die bösen Jungs. Es war wieder einmal ein Gangster Boss, der dealte, tötete und alles besaß, was man sich nur vorstellen konnte. Ich hätte mir von den Bösen etwas mehr erwartet, etwas mehr Hintergrund oder ein anderes Motiv.
 
Was mir gut beim Text allgemein gefallen hat, war, dass To selten etwas Seiten lang umschrieb und beschrieb. Er hielt sich bei technischen Dingen maßvoll, dass es nicht langweilig wurde zum Lesen, aber auch nicht zu kurz, so dass man sich nicht auskannte.

Fazit

Ich persönlich würde diese Trilogie eher Anime Fans empfehlen, da Ubukata ein berühmter Anime Autor ist und diese Bücher auf dessen Typus basieren.
Der Anfang des Buches beginnt mit einem versuchten Mord, was das Interesse weckt, jedoch kaum von der futuristischen Welt der Geschichte zeigt. Es ist immer einen kleine Kunst den Leser mit den ersten paar Seiten des Buches zu interessieren und zum Weiterlesen zu bewegen. Meiner Meinung nach hat es Ubukata recht gut hinbekommen. Der erste Satz „ich wünschte, ich wäre tot.“ Verleitet einen mehr darüber in Erfahrung bringen zu wollen, um den Grund zu erkunden. Er schafft es auch, dass die Spannung nie verloren geht. Ubukata baut nicht nur auf einer Handlung die Spannung auf, sondern über mehrere Charaktere verteilt, bis am Ende alle zusammen kommen und die geballte Spannung sich als eine Bombe entlädt. Am Ende des Buches wird so viel Aktion frei, dass man sich nur zu gut ausmahlen kann, wie alles in die Lüfte fliegt.

Gesamteindruck

Dem Buch (und der Trilogie insgesamt) würde ich 8 von 10 Punkten vergeben. Den einen Minuspunkt gibt es von mir für die etwas trockenen Entwicklungsstufen von Balot, bei denen ich mir wünschte es würde endlich etwas voran gehen.
Und den anderen Minuspunkt gibt es für die fantasielosen und klischeehaften Bösewichte, wie oben bereits erwähnt.
 
~ Luna

Kompression
von To Ubukata
ISBN: 978-3-453-52176-6

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Rezis von ntav

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1 – Der Unbesiegbare – Stanisław Lem

12.11.2011

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Cover zu „Der Unbesiegbare“

Erster Satz

Der „Unbesiegbare“, ein Raumkreuzer der schweren Klasse, das grösste Schiff, über das die Flottenbasis im Sternbild der Leier verfügte, durchflog mit Photonenantrieb den äußersten Quadranten der Sterngruppe.

Inhalt

Ein Raumschiff wird ausgesandt, um nach dem Verbleib seines Schwesterschiffes zu fahnden, der „Kondor“. Man findet es relativ rasch .. allerdings wirft sein Zustand mehr Fragen auf, als er beantwortet. Die „Kondor“ steht völlig unbeschädigt auf dem Planeten herum. Die Besatzung ist tot … die meisten sind verhungert, obwohl ausreichend Lebensmittel an Bord sind. An einigen Stellen im Schiff wurde sinnlose, unbegreifliche Gewalt angewendet … waren da Wahnsinnige am Werk? … Angebissene Seifenstücke …? Man vermutet, dass irgendeine äussere Einwirkung nicht nur die Erinnerungen, sondern auch die Persönlichkeitsstruktur der Leute ausgelöscht hat … so dass nur ihre niederen Triebe übriggeblieben sind.
 
Ebenfalls sehr merkwürdig ist, dass es an Land zwar Spuren einer hochentwickelten Zivilisation, aber keinerlei Leben gibt, im Wasser jedoch sehr wohl … dieses Rätsel klärt sich, als man winzige Metallmaschinchen findet, die sich bei Bedrohung zu grösseren Aggregaten zusammenschliessen können. Die Hirnströme der Menschen locken sie an … und mit strudelnden Magnet-Wirbeln entfernen sie alle Gedächtnisinhalte aus dem menschlichen Gehirn. Offenbar stammen diese Wolken von einer untergegangenen Hochkultur ab, deren Kampfmaschinen sich im Lauf einer Jahrmillionen währenden toten Evolution zur effektivsten aller tödlichen Waffen entwickelten … und alles Landleben vernichtet haben.
 
Auf der Suche nach einigen verlorengegangenen Besatzungsmitgliedern schickt man einen schwerbewaffneten Roboter namens Zyklop los, der in einem immer weiter eskalierenden Gefecht mit Unmassen von Wolkenpartikeln schwer beschädigt wird … und am Ende zerstört werden muss, da er durchdreht. Rohan, die Hauptfigur des Buches, zieht mit einer Art Elektro-Tarnkappe los, die sein Hirn abschirmt … und findet die Vermissten … sie sind tot … alle miteinander „Kollateralschäden“ der irrsinnigen Schlacht nit dem Zyklopen. Alle Versuche, die Wolken zu schlagen, sind sinnlos … und das Raumschiff entfernt sich wieder von dem Planeten, der die Menschen offenbar nichts angeht.

Fazit

Sehr stimmungsvoller Roman, dessen Schilderungen jener fremden Welt sich tief einbrennen … die Atmosphäre eines Planeten, der dem Adjektiv „menschenfeindlich“ eine ganz neue Bedeutung verleiht, ist einfach atemberaubend. Ganz im Gegensatz sind die Menschen völlig hilflos der fremden Macht gegenüber, bleiben auf ihre Reaktionen beschränkt. Es ist ein Gedankenmodell … schon im Einleitungssatz weist Lem darauf hin … das Sternbild der Leier existiert ja nur in unserer Einbildung, in Wirklichkeit sind die betreffenden Sterne irre weit voneinander entfernt. Die Personen – durchweg Männer – sind reduziert auf ihre Funktionen … und genau deshalb wirken sie angesichts des Mysteriums immer kleiner und zerbrechlicher.
 
Während die „Fliegen“ der Gipfel technischer Evolution sind, hantieren die Menschen mit Sternkarten, Lochbändern und dergleichen Retro-Kram herum, als wäre ihr Raumkreuzer sowas wie Hightech-Steampunk … aber nein, der Roman ist von 1964 und atmet den Geist der Zeit. Der Geschichte tut das keinen Abbruch (und hat Anfang der 60er sonst noch jemand über Schwarmintelligenz nachgedacht …?).
 
Die im Antimaterie-Einsatz mündende Schlacht des Zyklopen wiederum ist … wow. Vergesst Military-SF. Und der wahre Unbesiegbare ist am Ende nicht das kläglich wieder abziehende Raumschiff … sondern Rohan, der praktisch nackt mehr erreicht als alle menschengemachte Technik zusammen.

Gesamteindruck

Wenn sich am Ende eines Buches der Leser ernsthaft fragt, ob es tatsächlich Grenzen des moralischem Handeln gibt … angesichts einer komplett amoralischen Umwelt … dann ist das grosses Kino. Eine Übung in Demut. Wer den „Unbesiegbaren“ nicht gelesen hat, sollte nicht über SF reden dürfen.
 
Zehn von zehn Punkten.
 
~ ntav

Der Unbesiegbare.
Von Stanisław Lem
Aus dem Polnischen von Roswitha Dietrich.
Bei Suhrkamp, 1995 [1964]. 240 Seiten.
ISBN: 978-3-518-38959-1

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2 – Limit – Frank Schätzing

05.07.2011

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Cover zu „Limit“

Der erste Satz

I want to wake up in a city that never sleeps
– der gute alte Frankieboy
[Frank Sinatra; Anm. d. Red.].

Inhalt

Aufgrund seines enormen Umfangs ist dieses Buch … mehrere Bücher, die sich nur zwischen denselben Buchdeckeln befinden…
 
Inhalt kurz: Der Krimi
Owen Jericho ermittelt auf Wunsch des verzweifelten Chen Honbing den Verbleib von dessen Tochter Yoyo, einer chinesischen Dissidentin. Die ist untergetaucht, weil sie über hochgeheime Pläne gestolpert ist, die neue und nicht länger auf Öl basierende Weltwirtschaft mit ein paar geschickt plazierten Mini-Atombomben zu erledigen…
 
Inhalt kurz: Der SF-Thriller
Ein paar reiche… wirklich reiche Leute fliegen zum Mond, um sich dort ein neues Super-Duper-Hotel anzuschauen. Dabei entpuppt sich einer von ihnen als … Terrorist (Ta-Daaaa!), der Böses mit der Mini-Atombombe vorhat. Nach vielen erfolglosen Versuchen, die Bösen… äh… das Böse… aufzuhalten, gelingt es am Ende nur ganz knapp…
 
Inhalt kurz: Der Entwicklungsroman
Owen ist ein gebeutelter Charakter, der niemanden an sich heranläßt und nur ganz langsam sich selbst zugibt, daß er etwas für Yoyo empfindet…
Yoyo ist eine mit allen Wassern gewaschene und arg gebeutelte Internet-Dissidentin, die niemanden an sich heranläßt und nur ganz langsam sich selbst zugibt, daß sie etwas für Owen empfindet…
Chen Honbing ist ein gebeutelter Charakter, der niemanden an sich heranläßt und nur ganz langsam sich selbst zugibt, wie viel ihm an Yoyo liegt…
 
Inhalt kurz: Der Psychothriller
Die Tochter des reichsten Mannes der Welt hat ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl… sie denkt, sie sei Scheiße. Wo doch ihr Vater so überaus toll ist. Sie baut ein Super-Duper-Hotel auf dem Mond und leidet panische Angst, es versagt und alle müssen sterben… bis das Hotel tatsächlich zur Todesfalle wird und sie vollends durchdreht…
 
Inhalt kurz: Die Wikipedia
Jedesmal, wenn Schätzing neue Elemente einführt, werden die ausgiebigst erklärt… Die Geschichte von Äquatorialguinea zum Beispiel… und was Vakuum ist… die Praktiken chinesischer Kinderschänder… die Details der lunaren Topografie… holografische Datenbrillen… (in der Wikipedia kann man sich einen zufällig ausgesuchten Artikel anzeigen lassen: Vielleicht schreibt man heute so Bücher?!)

Fazit

Manchmal ist weniger… mehr. Frank Schätzing führt unglaublich viele Personen ein… es gibt sogar ein Personenverzeichnis hinten in dem Wälzer. Und wenn man sich den Spaß machen will, dann kann man sie nach und nach darin abstreichen. Schätzing murkst seine Figuren im Lauf der sich ständig überschlagenden Handlung auf dem Mond nämlich fast alle ab….
Damit dem Leser das nahegeht, werden all die Leute zunächst aufgebaut… allerdings nicht soweit, daß sie wirklich interessant werden. Die meisten bleiben schablonenhafte Pappfiguren…. Der russische Oligarch, den nur Geld interessiert und dem es egal ist, mit wem seine zu Dekorationszwecken geheiratete Frau ins Bett geht… Der psychotische Killer, der wirklich alles überlebt und sehr an einen gewissen Albino-Mönch bei Dan Brown erinnert… Die US-TV-Talkshow-Dame, die einfach nur Oprah Winfrey ist… Die Albino-Frau… Die dumme reiche Blondine, die ihren Brüsten Namen gibt… alles Redshirts, Kanonenfutter…
Alle Bewegungen der handelnden Figuren werden ausgiebig beschrieben… es wimmelt von Flugzeug/Auto/Motorradbe- und aussteigungen, geöffneten Türen und Beschreibungen von tausenderlei Innenräumen…. halt… ist das vielleicht schon das Drehbuch für den Film?
Die SF-Elemente – der Orbitalaufzug, das Helium-3, die Datenbrillen – werden übrigens genauso erklärt wie alles andere auch… das macht die moderne SF eigentlich schon seit den frühen 70ern nicht mehr…

Gesamteindruck

Hin- und hergerissen zwischen den vielen verschiedenen Büchern, die Frank Schätzing hier zusammengesperrt hat, kann sich “Limit” logischerweise nie entscheiden, was es sein will… Einen Punkt gibt es für den Wissenszuwachs, den man unweigerlich mitkriegt… den zweiten für die wirklich spannenden Stellen zwischen all den Szenen, die man hätte streichen sollen…
 
2 Sterne von 10.
 
~ ntav

Limit.
von Frank Schätzing
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 2009. 1328 Seiten.
ISBN: 978-3-462-03704-3

↑ Zu ntavs Rezis


3 – Vilm. Der Regenplanet & Vilm. Die Eingeborenen – Karsten Kruschel

15.06.2011

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Covers zu „Vilm Bd. 1 und 2“

Die ersten Sätze

Hatte das alles nicht mit She Tsi begonnen, dem kleinen stillen Chinesen?
(Band 1. Der Regenplanet)

Eine Runde von Kapitänen saß beisammen, an einem geräumigen Sechsertisch, von dessen Sitzplätzen einer sorgsam freigehalten wurde.
(Band 2. Die Eingeborenen)

Inhalt

Nachdem das riesige Raumschiff aus unbekannten Gründen auf einen Planeten abgestürzt ist, auf dem es andauernd regnet, müssen sich die Überlebenden irgendwie arrangieren. Ihre Versuche, um Hilfe zu rufen, scheitern (zunächst scheint es so …)
Aus den Resten des „Weltenkreuzers“, die wie ein Gebirge aus Schrott auf der Oberfläche liegen, holen sie alles irgendwie Verwertbare heraus … sie versuchen, sich an das miese Wetter zu gewöhnen, was nicht allen gelingt. Sie errichten Siedlungen und finden es irgendwann überflüssig, auf Rettung zu hoffen. Der Planet Vilm mit seiner eigenartigen Fauna und Flora wird allmählich zu ihrer Heimat … für die Kinder der Gestrandeten ist er es von Anfang an. Sie kennen nichts anderes und schließen Kontakt zu einer einheimischen Lebensform. Sie werden zu etwas, das nicht mehr ganz menschlich ist …
 
Ein Weltraumlotse, der nicht mehr lange zu leben hat, entdeckt schließlich den jahrzehntealten Hilferuf. Als auf Vilm endlich Rettungstruppen eintreffen, will sich aber kaum jemand retten lassen … Die Vilmer müssen sich politisch gegen die Fremdbestimmung durchsetzen und tun es auf durchaus schlitzohrige Weise. Sie treten selbstbewußt als neues Volk in einem Kosmos voller seltsamer Völker auf, die alle mal Menschen waren, sich aber auf seltsame Art entwickelt haben. Die Vilmer empfangen Touristen und behandeln sie so, wie sie es verdienen … und am Ende begreifen sie, dass sie mit genau jenen Leuten Bündnisse geschlossen haben, die seinerzeit den Absturz verursachten. Politik, zähneknirschend ertragen.

Fazit

Die beiden Bücher bilden gemeinsam einen Roman, der aus selbstständigen Erzählungen bzw. Kapiteln zusammengesetzt ist. Keine Hauptpersonen, keine durchgehenden Handlungsstränge. Der Planet selbst ist der Protagonist der beiden Bücher … und all die Erzählungen sind auf vielfache Weise miteinander verbunden.
Es macht Spaß, die Querverbindungen zu entdecken – wenn etwa ein ganz düsteres Kapitel, in dem Schiffbrüchige mit einem schrottreifen Fluggerät aufsteigen, um einen Hilferuf abzusetzen, später aufgegriffen wird, als der Lotse den Ruf wider Erwarten auffängt… und nochmals ganz am Ende, als das Wrack desselben Flugzeugs unter seltsamen Umständen aufgefunden wird.
Die Nachricht, die ein Raumfahrer während des Absturzes praktisch im Moment seines Todes absetzt, langt am Ende des Romans doch noch an… Jahrzehnte verspätet.
 
Die Figuren machen dramatische Entwicklungen durch: Aus der snobistischen Eliza wird eine tapfere Frau, als sie ihren Arm einbüßt, um die Überlebenden zu retten… später eine taffe Eingeborene.
Der starrsinnige Knabe Will mausert sich zum Regierungschef. Und die Kinder auf Vilm entwickeln sich zu seltsamen, faszinierenden Wesen, die vertraut und doch fremd wirken.
Insgesamt sind die beiden Bücher (unbedingt zusammen lesen) eine Fernsehserie ohne Bilder … die Dinge, die geschehen, haben im Hintergrund alle mehr oder weniger miteinander zu tun … die Bilder dazu macht sich LeserIn selbst …
… so man es ertragen kann, auch mal eine ungewohnte, mosaik-ähnliche Erzählstruktur zu entschlüsseln, in der trockene Erklärungen absolute Mangelware sind. Stattdessen malt der Autor starke Bilder… Kopfkino halt.

Gesamteindruck

5 Sterne: Spannende, originelle, intelligente Unterhaltung mit Tiefgang und Suchtpotential.
(… die offen bleibenden Rätsel im Hintergrund sind ein geschickter Schachzug, denn LeserIn wie meinereiner denkt noch lange darüber nach, was es mit den Päpstinnen auf sich hat… mit der goldenen Bruderschaft, den Karnesen und dem epsilonischen Raumschiff… der Strahlung, die Leute versteinern läßt… und den Regendrachen.)
… ausgezeichnet mit dem Deutschen Science Fiction Preis als bester Roman.
 
~ ntav

Vilm. Der Regenplanet
und Vilm. Die Eingeborenen
von Karsten Kruschel
Erschienen beim Wurdack-Verlag, 2009. 220 und 226 Seiten.
ISBN: 978-3-938065-36-5 und 978-3-938065-54-9

↑ Zu ntavs Rezis


4 – Simon Goldsteins Geburtstagsparty – Heidrun Jänchen

12.11.2011

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Cover zu „Simon Goldsteins Geburtstagsparty“
(via sf-magazin.de)

Erster Satz

John begann zu schwitzen.

Inhalt

Als ein netter Mann namens John Dove („John Doe“ nennen amerikanische Polizisten namenlose Mordopfer …) durch Andorra spaziert, fliegt plötzlich eine Bombe in die Luft … Sie tötet und verstümmelt viele Menschen. Das geht John Dove echt ans Gemüt … denn er hat die Bombe selbst gelegt. Das allein ist schon ein seltsamer Anfang für einen Roman … der Hintergrund dazu ist noch seltsamer. Andorra ist in der hier geschilderten Zukunft ein Staat, der neben dem heutigen Andorra auch das heute spanische Catalunya (also Katalonien) umfasst. Die EU ist längst in eine reiche nördliche Kern-EU und verarmte Südstaaten zerfallen.
Zu dieser prophetischen Hellsicht kann man Heidrun Jänchen (der Roman erschien 2008) nur gratulieren, denn mit Griechenlandkrise, Italienzoff usw. steuern wir ja heute genau auf solche Verhältnisse zu!
 
Zurück zu John … Er ist Berufsterrorist (und ein neurotisches Missbrauchsopfer) … er begeht Attentate, um der Öffentlichkeit die Existenz jener Terroristengruppen vorzuspiegeln, der der grosse Konzern und Auftraggeber für seine politischen Zwecke gerade „braucht“. Die Nachrichten werden halt samt den Ereignisse darin ganz gezielt produziert … Auf dieses Geheimnis stösst auch die irische Journalistin Fiana, die Belege dafür findet, dass der mit diktatorischen Machtbefugnissen ausgestattete Europa-Präsident getötet und durch einen Schauspieler ersetzt worden ist. Was sie nicht weiss: Ihr eigener Arbeitgeber hängt mit drin. Sie wird zur Zielscheibe für Johns nächsten … na ja, Auftrag. Aber John will aussteigen. Eine wilde Flucht beginnt … Die dritte Hauptperson ist der deutsche Computer-Nerd Frank Böttger, der im staatlichen Institut für Medienforschung(-fälschung) das WWW nach Meinungen durchsiebt und vor allem nach Möglichkeiten, die Meinung der weltweiten Netz-Öffentlichkeit zu manipulieren. Seine Blog-Bots pflastern Webseiten in aller Welt mit Hoax-Mails und CGI-Filmen zu, die eigens zu diesem Zweck getürkt werden … er ist die Rückseite derselben Medaille wie John.
 
Die drei werden aus ganz unterschiedlichen Gründen zu Aussteigern und beschliessen, nachdem sie erfolgreich den Häschern des Systems entkommen sind, die Welt mit genau den Methoden zu retten, die sie beherrschen: Fälschung, Desinformation, Schaffung einer für echt gehaltenen Scheinwelt. Sie bauen eine monströse Bedrohung auf, die die ganze Menschheit betrifft, und zwingen so die Mächtigen, auch mal an etwas anderes als nur ihren eigenen Arsch zu denken … und die Dinge zum Guten zu wenden …

Fazit

Ein aktionsreicher, rasant geschriebener Thriller voller leisem Humor und einigen grimmigen Szenen, der so manchen überraschenden Blick auf unsere Wirklichkeit wirft … z. B. Banden verarmter Rentner, die marodierend durch die Städte ziehen und gestohlene Kreditkarten per Smartphone leerräumen, so wie sie es in ihrer Jugend gelernt haben.
 
In der zweiten Hälfte gibt sich die Autorin nicht mit dem nackten Überleben ihrer Figuren zufrieden … sondern wagt es, das Thrillerformat zu sprengen und eine Hoffnung für eine bessere Zukunft auszubauen … ja, das nennt man dann wohl „eine utopische Idee verfolgen“. Wird viel zu selten gemacht… Schwarzmalen ist wohl deutlich einfacher. Für diesen Ausblick gibt’s Bonus-Punkte …. außerdem für die sorgfältig gehandhabte Sprache.
 
Punktabzug hingegen für eine überflüssige Nebenhandlung um eine Weibersekte im Dschungel, die pubertierende Jungs kastriert oder verstößt, weil “Mann” sein “böse” ist. Hätte man streichen können.
 
Um den mysteriösen Titel des Romans zu verstehen, muss man einfach nur das Buch lesen. Die Auflösung ist dann sehr logisch.

Gesamteindruck

Sehr eigenständiger deutscher SF-Roman, der ohne Raumschiffe und Aliens auskommt (und auch das Zeitreisethema nur nebenbei veralbert). Unbedingt lesenswert und sehr spannend … auch und vor allem in den Passagen, in denen es nicht kracht ….
 
Zehn von zehn Punkten.
 
~ ntav

Simon Goldsteins Geburtstagsparty.
Von Heidrun Jänchen
Erschienen beim Wurdack-Verlag, 2008. 277 Seiten
ISBN: 978-3-938065-33-4

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8 – Flugverbot– Barbara Slawig

09.09.2011

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Cover zu „Flugverbot“

Der erste Satz

„Verehrte Gäste, die Standortkommandatur der Volganischen Flotte und die Leitung der örtlichen Hospederia heißen Sie in der planetaren Station von Jargus II willkommen.“
(Das ist der Anfang von so einer Art Vorwort, die Handlung beginnt mit:
„Der dicke Mann vor David Woolf trug eine zu enge Jacke.“)

Inhalt

Kommissar Woolf wird auf den Mond Jargus geschickt, um dort – einen ganz anderen Auftrag vorgebend – herauszufinden, ob die Probleme mit dem Computersysteme einer Forschungsstation auf Sabotage des Feindes zurückzuführen sind … Was er dann tatsächlich herausfindet, ist ein kompliziertes zwischenmenschliches Drama.

Eindruck

Hintergrund der Handlung ist eine Art Kalter-Krieg-Szenario … Die Republik Volga hat sich nach einem Bürgerkrieg von dem alten Regime, gegen das sie erst rebellieren mussten … also vom sogenannten „Synarchon“ getrennt. Im Synarchon errechnen Hochleistungscomputer die Auswirkungen jeder Aktion und verbieten schon mal gewisse Handlungen … wenn sie zu dem Ergebnis kommen, dass es ein schlechtes Ende nehmen könnte (ja, das klingt schon ein bisschen nach Orwell und Huxley…) In der Republik Volga sind dementsprechend solche (gefährlichen…) Computer komplett verboten … die Regierung besteht stattdessen aus einem zerbrechlichen Gleichgewicht aus militärischer und ziviler Verwaltung. Um rätselhafte Störungen im Rechnernetzwerk einer volganischen Forschungsstation aufzuklären – und herauszufinden, ob Sabotage vorliegt – entsendet man den frischgebackenen Kommissar und ehemaligen Offizier Woolf. Dort findet er sich schnell in eine verzwickte, sowohl politisch wie auch menschlich komplizierte Situation verstrickt. Der Kommandant lässt eine Frau festsetzen, die früher mal mit ihm für die Republik gekämpft hat, sie dann aber (… scheinbar …) an den Gegner verriet. Wer hier zu wem loyal steht und nicht, wird langsam immer undurchschaubarer … bis am Ende fast alles fast ganz anders ist, als es zunächst schien … fast wie im wirklichen Leben also (hey, dreimal „fast“ in einem Satz … passt scho‘).

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Das Cover zu Slawigs Roman, wie es
bei Heyne hätte erscheinen sollen.
(via amazon.de)

Was Verlag und Autorin geritten hat, das Buch Flugverbot zu nennen, bleibt völlig unbegreiflich… Niemandem wird irgendein Flug verboten … auch die Lebenden Steine des Untertitels spielen eine völlig untergeordnete Nebenrolle (indem sie die Daseinsberechtigung der Station liefern). Aber da der Roman eine Odyssee hinter sich hat, mag das entschuldbar sein … zunächst gab es eine Test-Ausgabe im Eigenverlag … kurz nach der ersten Auflage bei Haffmans verhinderte die Pleite des Verlags die weitere Auslieferung … eine bei Heyne fest eingeplante Taschenbuchausgabe wurde sehr kurzfristig aus dem Programm geworfen, obwohl es bereits ein Cover gab (das man im Internet noch finden kann; [siehe rechts]) … und dann kam das Buch bei Argument heraus (es gibt also drei Versionen des Titelbildes).
 
Gern wüsste man mehr über diese kristallinen Lebewesen, die vorzugsweise die Batterien vorbeikommender Astronauten (und tief fliegender Raumschiffe) leersaugen … aber die Steine interessieren nur am Rand und könnten auch durch … sagen wir … vampirische Flugfrösche ersetzt werden. Die Autorin wirft einfach ihre Figuren in das von ihr erdachte Szenario aus zwei unvollkommenen Utopias wie Zierfische in ein Aquarium … und beobachtet, wie sich ihre Versuchsfische … äh … Personen … darin verhalten. Das erreicht immer wieder die Intensität eines „Kleinen Fernsehspiels“ im ZDF-Nachtprogramm (in den 90er Jahren … als die noch gut waren), ohne jemals dröge zu werden. Wer also action sucht, wird hier kaum welche finden … obwohl die Szenen nach dem knapp überlebten Flugzeugabsturz zeigen, dass die Verfasserin auch das drauf hätte … aber man findet hier ein Kammerspiel, das geschickt montiert ist und spannend allein wegen der Charaktere und ihren Verstrickungen bleibt. Allein, wie die (Geschlechter)Rollen vertauscht werden, der Kommissar als weich, auf friedliche Konfliktlösung versessen und verständnisvoll daherkommt, während Jeanne gern mal wortkarg und schroff bleibt und Männer verprügelt … macht das Buch zu etwas Besonderem (ohne in feministisches Gebrabbel zu verfallen).

Fazit

Ein Lesetipp für Leute, die ihr Hirn beim Lesen auch benutzen wollen … und in der Lage sind, das ich-muss-jetzt-tausend-Seiten-schaffen-Lesetempo auf eine Hier-ist-jedes-Wort-wichtig-Aufmerksamkeit zu drosseln.
 
8 von 10 Punkten (wegen der völlig verpeilten Titelgebung …)
 
~ ntav

Flugverbot. Die lebenden Steine von Jargus
Von Barbara Slawig.
Beim Argument Verlag, 2003. 253 Seiten.
ISBN: 978-3-88619-341-7

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10 – Das Frühstück der Langschläferin – Tor Åge Bringsværd

01.06.2011

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Cover zu „Das Frühstück der Langschläferin“

Der erste Satz

Jedesmal, wenn ich mich hinsetze, um eine neue Geschichte zu schreiben oder etwas, von dem ich hoffe, es könnte der Beginn eines Buches werden, denke ich: Werde ich diesmal anfangen mit Nebelschwaden, die über die Heide treiben, und einem Reiter mit wehendem Umhang auf dem Weg zu einem blassen, gespenstischen Schloß auf der Spitze von Pappmaché-Felsen, und der Donner rollt, und die Blitze zerreißen den Himmel wie der schreckliche Dreizack des Satans?

Inhalt

Felix Bartholdy macht sich bewußt, daß er niemals alle Bücher wird lesen können, die er besitzt, nicht mal die, die er noch kaufen wird oder gerade gekauft hat. Natürlich hat er eben gerade wieder welche gekauft. Diese Tatsache macht ihn bald irre, und er bricht zusammen. Zwei mitleidige Damen lesen ihn auf und nehmen ihn mit nach Hause. Dort setzt sich Bartholdy aufs Dach und beschließt, alle Namen, Fakten und Worte aus seinem Kopf zu tilgen, indem er endlose Zahlen niederschreibt. Je näher er seinem Ziel kommt, desto fadenscheiniger wird die Realität.

Eindruck

Dieser Buch ist so postmodern-ausgeflippt wie es nur geht, vollgestopft mit popkulturellen Anspielungen von „King Kong“ bis „Star Trek“.
 

  1. Ein finnischer Literaturprofessor mit frisch angelachter Gespielin in New York kann sich nicht entscheiden, heimzufliegen zu seiner Familie in Finnland, oder doch lieber bei seiner Geliebten zu bleiben. Die Entscheidungsschwäche wird chronisch, und er schlägt im wörtlichen Sinn des Wortes Wurzeln in der Flughafenhalle.
  2. In diesem Roman gibt es Gepräche mit dem Tod selbst (und zwar lange ehe Terry Pratchett ähnliche Scherze mit Gevatter Tod zu treiben begann). Der Tod hat echte Schwierigkeiten mit dem Job. Jeder Mensch hat nämlich seinen eigenen, individuellen Sensenmann, der immer in seiner Nähe sein muss. Hier hat der Tod nämlich nicht die leiseste Ahnung, wann genau er Arbeit bekommt.
  3. Der Verfasser hat einen Sandkasten mit einem aus Legosteinen erbauten Modell der Stadt New York, in dem er – der auch selbst hier und da als Ich-Erzähler im Text vorkommt – seine Figuren als kleine Pappschablonen hin- und herbewegt. Der Stadtteil Staten Island ist als Handlungsort leider abhandengekommen. Die Katze hat Staten Island nämlich kaputtgemacht.
  4. (Liste kann nach Belieben verlängert werden.)

Als Felix Bartholdy sein irrwitziges Vorhaben durchführt, wird er unversehens zu Kaspar Hauser – das war ein Findelkind, das 1828 in Deutschland auftauchte, offensichtlich nie Kontakt zu Menschen gehabt hatte, zum Gegenstand der wildesten Spekulationen wurde und schließlich aus rätselhaft gebliebenen Gründen von einem unbekannt gebliebenen Mörder getötet wurde. Der norwegische Autor verknüpft seinen Un-Helden Bartholdy mit Kasper Hauser und läßt ihn sogar zu dessen Mörder werden.
Da sind die Grenzen zwischen Realität und Fiktion bereits verwischt, und Bringsværd fängt an, sich mit seinen eigenen literarischen Figuren zu streiten, beipielsweise mit dem Privatdetektiv Hector Protector Wagner, der gern noch literarischer wäre als der Verfasser selbst, und einen Zitate-Krieg anzettelt.
Manche Figuren weigern sich einfach zu tun, was der Autor mit ihnen anstellt (oder erst noch anstellen will). Mit der bereits erwähnten Katze wird das alles in sehr amüsanten Gesprächen diskutiert. Am Ende zerreißt ebendiselbe Katze die sowieso schon fadenscheinige Wirklichkeit, und das Buch entpuppt sich als Spiel, das der Autor mit sich selbst gespielt hat, um des Spaßes am Spiel selbst wegen.

Fazit

Ein sehr phantasiereicher, bunter Roman, der mehr mit allerlei SF-Verweisen und -Requisiten spielt als daß er selbst ernsthaft SF sein will. Wer sich auf solche postmodernen Ironien einlassen kann, wird seinen Spaß haben. Wer stramm von Anfang bis zum Happy End erzählte Abenteuer mag, wird womöglich verwirrt sein.

Gesamteindruck

9 von 10 Punkten (für eher experimentierfreudige Leser)
3 von 10 Punkten (für Anhänger eher traditioneller Texte)
 
~ ntav

Das Frühstück der Langschläferin. Ein Unterhaltungsroman auf Leben und Tod!
Syvsoverskens dystre Frokost (1976)
Von Tor Åge Bringsværd
Aus dem Norwegischen von Lothar Schneider
Beim Insel Verlag, 1992. 333 Seiten.
ISBN: 978-3-458-16240-7

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Rezis von Thomas Ex Futuro

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1 – Blutmusik – Greg Bear

09.06.2011

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Cover zu „Blutmusik“

Inhalt

In der Heyne-Edition wird Greg Bears Buch „Blutmusik“ mit einem Vorwort von Charles Stross eingeleitet. Das ist kein Zufall. Zum einen ist Stross Pharmakologe und damit von seinem theoretischen Background nah dran an der Thematik von „Blutmusik“. Es geht nämlich um Biochips-Experimente die außer Kontrolle geraten. Zum anderen hieß das erste Buch von Stross „Singularität“ und zu genau einer solchen wächst sich die “intelligente Epidemie“ schließlich aus. Der Begriff Singularität bezeichnet nämlich einen Entwicklungssprung, der so vorher nicht absehbar war und seine Folgen noch viel weniger, da sie das menschliche Fassungsvermögen weit übersteigen.
So beginnt „Blutmusik“ mit einem Ereignis, dass zwar einigermaßen ungewöhnlich ist, die unfassbaren Folgen, die es haben wird jedoch in keinster Weise vorausahnen lässt.
 
Vergil Ulam (heutzutage würde man ihn als Nerd bezeichnen) ist ein krankhaft ehrgeiziger einzelgängerischer Wissenschaftler, der die Forschung an Biochips vorantreibt. Jedenfalls soll er eigentlich diese Nanomaschinen entwickeln, die in der Lage sind im menschlichen Körper krankheitsbekämpfende Regulierungen vorzunehmen. Er dringt jedoch ohne das Wissen seiner Vorgesetzten in andere Bereiche vor, indem er, statt siliziumbasierte also technische Steuerungschips zu verwenden, Zellen selbst mithilfe von DNA-Manipulationen zu intelligenten „kleinen Helfern“ aufzurüstet.
Seine illegalen Experimente fliegen auf und er kurz darauf aus dem Forschungsinstitut. Im Angesicht der drohenden Vernichtung seiner „Schöpfung“ injiziert er sich selbst die Krone eben dieser, nämlich Leukozyten, die mittlerweile einen „IQ“ von Laborratten zeigen. Diese unüberlegte Handlung ist eben jenes Ereignis, dessen Folgen schließlich alles in den Schatten stellen sollen, was die Menschheit je gesehen hat.
 
Der Beginn der Handlung weist leichte Parallelen zum Film „Die Fliege“ auf. Ein Selbstversuch hat zunächst zur Folge, dass der schräge Vogel von Wissenschaftler auf einmal eine gewisse Anziehungskraft auf Frauen entwickelt. Er fühlt sich besser als je zuvor, verändert sich jedoch körperlich immer mehr und irgendwann nicht mehr zum Guten. Bei „Blutmusik“ sind es natürlich die Noozyten, die sich rasant vermehrenden und immer intelligenter werdenden Zellen, die diese Veränderungen an ihrem Universum vornehmen, welches im Makrokosmos auf den Namen Vergil Ulam hört. Als Ulam Edward Milligan kontaktiert, Schulfreund und mittlerweile Arzt, ist es bereits zu spät: die Noozyten haben entdeckt, dass es außerhalb ihres Universums eine viel größere Welt gibt und beginnen in diese vorzudringen. Vorher haben sie begonnen mit Ulam zu kommunizieren, auf eine eigentümliche Art, worauf der Titel „Blutmusik“ zurückgeht. An einer entscheidenden Stelle trifft Milligan Ulam in der Badewanne liegend an:
 
„Die rosafarbene Flüssigkeit im Wasser sah nicht nach Badegel aus. (…) ‚[D]as stammt von meiner Haut. Die Teufelsdinger verraten mir ja auch nicht alles, aber ich glaube, sie haben Kundschafter ausgeschickt. He! Es sind Raumforscher! Jawoll!‘“
 
Darauf folgt eine Kurzschlussreaktion von Milligan, die hier jedoch noch nicht verraten wird.
Neben Ulam und Milligan werden eine Reihe weiterer Protagonisten eingeführt, Michael Bernard, ein berühmter Mediziner, Ulams Mutter und Suzy McKenzie, ein Teenager aus New York.

Eindruck

Der Stil von Bear wirkt zunächst etwas angestaubt, Anfang der 80er Jahre verfasst, erinnert „Blutmusik“ vom Stil her zunächst eher an die SF-New-Wave der 70er und weniger etwa an den schnodderigen Cyberpunk. Der Stil ändert sich zum Teil, was daran liegen dürfte, dass „Blutmusik“ auf einer Kurzgeschichte beruht, die später als der Autor sich stilistisch weiterentwickelt hatte, zu einem Roman erweitert wurde. Viel wichtiger ist jedoch, dass man irgendwann kaum noch auf den Stil achtet, da einen dieses Buch zunehmend in seinen Bann zieht.
 
Greg Bear bleibt bei allen Nuancen durchweg sehr nüchtern. Sehr tief dringt er nicht in das Innenleben der Protagonisten vor, jedenfalls nicht in der metaphorischen Bedeutung. Da man aber ohnehin das Buch kaum aus der Hand legen kann, da man wissen will wie es weiter geht, ist es gar nicht schlecht, dass sich Bear auf das Wichtigste beschränkt. Nicht auszudenken auf wie viele Seiten ein Frank Sch(w)ätzing dieses Buch, was ja tatsächlich wie ein „Bio-Thriller“ anfängt, aufgeblasen hätte. Am Ende jedenfalls erreicht die schnörkellos vorangetriebene Handlungsklimax Dimensionen, die sie weit über einen „Bio-Thriller“ heraustragen und auch innerhalb der Science Fiction zu etwas Besonderem macht.

Fazit

Daher kann man das Buch wohl nur mit Einschränkung Leuten empfehlen, die sich eher in thrillerartigen Grenzgebieten der SF tummeln. Am Ende wird es denen womöglich über den Kopf wachsen. Spannend ist es dabei jedoch extrem, sogar erschreckend. SF-Lesern sei es unbedingt ans Herz gelegt, vor allem solchen, die den Akzent gerne auf die Science legen, wobei man allerdings nicht mit seitenlangen Technobabbel behelligt wird. Am Ende kippt es höchstens in etwas eigenwillig ausgelegte Bereiche der Quantenphysik, bleibt jedoch stets verständlich und steigert hiermit nur noch einmal das gruselige Szenario.
 
8-9 Punkte
 
~ Thomas Ex Futuro

Blutmusik
von Greg Bear
ISBN: 978-3-453-52365-4

↑ Zu Thomas Ex Futuro’s Rezis



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2 Kommentare

  1. Tony

    @ntav: Heisst das, das Ende so vieler Stränge bleibt am Ende offen? :( Oder gibt es bald einen dritten Teil?

    Gruss
    Tony

  2. ntav

    … ich vermute, Du beziehst Dich auf “Vilm” … die einzelnen Erzählungen/Kapitel sind in sich abgeschlossen, es wird nur nicht alles haarklein erklärt … es gibt keine ellenlangen Darlegungen wie etwa in Technobabble-SF … manches muss man sich halt zusammenreimen … das bezieht sich auf Dinge im Hintergrund … in einem Interview auf der Phantastik-Couch wurde über einen dritten Teil gesprochen … einfach mal googeln…

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